Held der Postmoderne : Das Gesamtkunstwerk Arnold Schwarzenegger

Arnold Schwarzenegger inszeniert sich gerne selbst - als Bodybuilder, als Schauspieler und auch als Politiker. Der Kunstwissenschaftler Jörg Scheller geht in seinem Buch dieser Lebensgeschichte nach.

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Auf etwa 670 Seiten schreibt Arnold Schwarzenegger "die wahre Geschichte " seines Lebens auf.
Auf etwa 670 Seiten schreibt Arnold Schwarzenegger "die wahre Geschichte " seines Lebens auf.Foto: dpa

Man kann es sich leicht machen mit Arnold Schwarzenegger, dem Muskelmann, Actionfilm- Schauspieler, Politiker und Ehebrecher. Er selbst lädt dazu ein – in und mit „Total Recall“, der angeblich wahren Geschichte seines Lebens. Am Ende dieser Memoiren, die ihrer Länge nach so monumental nicht sind, macht Schwarzenegger nämlich das, was in vielen amerikanischen Sachbüchern üblich ist: Er fasst noch mal zusammen und stellt ein paar Regeln auf. Regel Nummer sieben lautet: Schieb die Schuld nie auf deine Eltern. Da fragt sich Schwarzenegger, was aus ihm geworden wäre, „wenn ich einen netten warmherzigen Vater gehabt hätte. Hätte ich Österreich dann verlassen? Wahrscheinlich nicht. Und das ist meine große Angst! Ich wurde Arnold, weil er so hart mit mir umging … Seine Strenge trieb mich aus dem Haus. Sie sorgte dafür, dass ich nach Amerika kam und hart für meinen Erfolg arbeitete.“ So also sieht sich Schwarzenegger, dessen neuer Film dieser Tage in die Kinos gekommen ist: Vom autoritären Vater, dem Prototyp des kleinen Polizisten in der Nachkriegszeit, in die Welt geworfen, auf sich gestellt, groß und stark geworden. Na ja.

Zum Glück für seine geneigten Leser hat Schwarzenegger nicht bloß eine vulgärfreudianische Sicht auf sich selbst, sondern viel Humor – und viel zu erzählen. So oberflächlich bekannt, wie seine Lebensgeschichte ist, so interessant wird sie, phasenweise jedenfalls, wenn er in die Einzelheiten geht. Mindestens so wichtig wie der – aus Sohnes Sicht – autoritäre Vater war offenbar Arnies Überzeugung, dass er etwas Besonderes sei. Als Jugendlicher fing er mit dem Kraftsport an. Sein Vater schimpfte über den „Unfug“ und verlangte, er solle „etwas Nützliches“ tun und Holz hacken. Doch Arnold Schwarzenegger hatte sich in Eisenpumpen und die Entwicklung seiner Körperkraft verliebt – da interessierte ihn Papas Gerede längst nicht mehr.

Arnold Schwarzenegger - vom Immobilienmakler zum Actionstar zum Gouverneur
Arnold Schwarzenegger, amtierender Gouverneur von Kalifornien, Ex-Filmstar und Model, veröffentlicht unter dem Titel "Total Recall" seine Memoiren.Weitere Bilder anzeigen
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28.09.2012 16:17Arnold Schwarzenegger, amtierender Gouverneur von Kalifornien, Ex-Filmstar und Model, veröffentlicht unter dem Titel "Total...

Der eigene Plan, das Selbstbild, an das er ganz fest glaubt: Wenn an diesen Erinnerung etwas Wahres ist, das Schwarzenegger von sich wissen lässt, ist es die Abwesenheit von jedem Zweifel an sich selbst. Als Jung-Bodybuilder glaubte er an sich. Als Schauspielanfänger und „Conan, der Barbar“ glaubte er an sich. Als Geschäftsmann und Unternehmer in eigener Sache glaubte er an sich. Als Ehemann glaubte er beim Verfassen des Buches auch immer noch an sich.

„Das Geheimnis“ lautet die Überschrift über dem letzten Kapitel von „Total Recall“ – dem einzigen, in dem er vor seinen Lesern als Verlierer dasteht. Man muss ihm lassen, dass er mit seinem Seitensprung so offen umgeht wie mit seinen Erfolgen: Er erzählt und überlässt es den Lesern, sich ihr Urteil zu bilden. „Maria und ich sind zwar in dem Moment, in dem ich dies schreibe, getrennt, aber ich versuche immer noch, mit allem so umzugehen, als wären wir zusammen … Die Scheidung läuft, aber ich habe immer noch die Hoffnung, dass Maria und ich wieder als Ehemann und Ehefrau und als Familie mit unseren Kindern zusammenkommen können. Man kann das Verdrängung nennen, aber so arbeitet mein Denken nun mal. Ich liebe Maria. Und ich bin Optimist.“

Klar, dass ein so starkes Ego sogar in peinvollen Passagen erst von sich spricht, vom „Ehemann“ – dann erst von der Ehefrau. Ob man Schwarzenegger als Eisensportler mag, als Actionstar oder ob man ihn als amerikanischen Politiker interessant findet: Man hat auf weit über 600 Seiten unendlich viele Gelegenheiten, sich zu fragen, ob man Egoist und Egomane sein muss, wenn man es im Leben so weit bringen will wie Schwarzenegger.

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