Kultur : Helden des Sommers

PETER SÜHRING

Das konnte man sich gefallen lassen, mit einem solch federleichten und schwerwiegenden Konzert wie am Sonnabend in die Sommerpause der philharmonischen Kammermusik entlassen zu werden. Nun können die Konzerte kommen, die Musik aus den Kammern auf die Hasenheiden, Pferdebahnen und Gänsemärkte verlegen. Gegeben wurde das Märchen vom wiederentdeckten Kontrabaß, in Musik gesetzt von Rossini, Cerha und Dvorák. Ulrich Wolff spielte das lange entbehrte Instrument so, daß es alle anderen Streichinstrumente im Kammermusiksaal der Philharmonie fülliger zum Klingen brachte. Eine der "Sonaten a quatro" des jungen Rossini klang hier mit mächtig schwingender Obertonskala nicht nur sommerlich, sondern auch viel delikater, als wenn ein starkes klangraubendes Streichorchester sie herunterstrippt. Das Spielen der Originalfassung ergab ein gelungenes aufführungspraktisches Experiment zugunsten Rossinis und seines Kontrabasses. Auch Friedrich Cerha wußte was er tat, als er seine sechs Nachtstücke für Streichquartett 1992 mit Kontrabaß versah. Das höchst empfindliche vegetative Nervensystem dieser Kompositionen reagierte erhitzt und erfrierend auf die enorme Spannweite dieses außergewöhnlichen Compagnions. Der Kontrabaß des G-Dur-Streichquintetts von Dvorák erlaubte dem Cello große kantable Freiheiten, von Jan Diesselhorst begierig genutzt. Die Spitze aber erklomm Martinu mit einem Stück ohne Kontrabaß. Wie zwei ineinander verwundene Fäden gerierten sich Geige und Cvello, von Rainer Sonne und Diesselhorst in virtuoser Meisterschaft zum Schwirren gebracht. Martinu, Sohn eines Türmers, wohnte 12 Kinderjahre 32 Stufen über der Erde - daher seine musikalische Vogelperspektive?

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