Kultur : Heldentheater, Theaterhelden

Peter Laudenbach

„In jedem von uns lauert ein Abonnent“, warnte einst der Regisseur Fritz Kortner seine Kollegen. An späten Sommertagen wird Theaterkritikern klar, dass in ihnen etwas Schlimmeres wohnt. Im Kritiker lauert ein Headhunter. Wenn neue Intendanten gesucht werden, hat er Ausgang. Dann werden Kritiker zu Kopfjägern, werfen mit Namen um sich und träumen davon, ein bisschen Politik zu machen. Endlich selber Theatergeschichte schreiben! Das sind so Kritikerträume in schwachen Stunden. Davon wusste schon der Theaterdirektor Goethe ein Liedchen zu singen. („Wer nie sein Kritikerbrot mit Träumen aß / Wer nie die kummervollen Nächte / Auf seinem Bette Intendanten wünschend saß,/ Der kennt euch nicht...“ ). Jetzt hat ein Kritiker der „Berliner Zeitung“ eine Handvoll Namen für den Chefsessel des Deutschen Theaters in die Runde geworfen. Sein Vorschlag ist von entwaffnender Ehrlichkeit. Dieter Mann! Ulrich Mühe! Alexander Lang! Die Heroen des vom Intendanten-Machen träumenden Kritikers hatten ihre große Zeit in den Achtzigern. Schön war’s damals, vor Hartz IV und Globalisierung, in der DDR, dahin will er zurück. Aber weshalb so verzagt? Warum nicht gleich die ganz große alte Zeit herbeiträumen. Ein Gründgens-Klon muss her! Ein Reinhardt-Replikant! Ein deutscher Held: Wolfgang Wagner for President! Und warum nicht ein echter Top Dog, jemand, der im Herbst 2006 sowieso einen neuen Job braucht – entweder Gerhard Schröder oder Angela Merkel. Schließlich soll die Bude endlich Nationaltheater werden.

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