Kultur : Helfer und Opfer: Reden, zeichnen, spielen - Wie Kinder mit den Ereignissen umgehen

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Kinder zeichnen Bilder. Bilder des Schreckens und des Grauens. Sie zeichnen die Bilder aus New York und Washington, die um die Welt gehen. Viele Erwachsene sind dann entsetzt, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Sie haben Angst, dass diese Bilder den Kindern schaden könnten, dass es den Kindern schadet, sich zu intensiv mit den Anschlägen auseinanderzusetzen.

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Fotos: Die Ereignisse seit dem 11. September in Bildern Kinder spielen Szenen. Sie stürzen von Spielplätzen und lassen sich von Freunden in fiktive Krankenhäuser einliefern. Sie spielen den Tod, manchmal spielen sie, dass sie überleben. In Amerika spielen zurzeit viele Kinder Feuerwehrmann oder Sanitäter.

Kinder erzählen. Sie erzählen ständig über die Ereignisse in New York und Washington. Sie fragen viel. Eltern wissen oft keine Antwort.

Christian Lüdke vom Deutschen Institut für Psychotraumatologie sagt, Kinder müssen diese Szenen ständig wiederholen, ständig malen und darüber erzählen. Das sei gut so. Kinder bis zu zehn Jahren könnten solche Ereignisse nicht nachvollziehen. Für sie bestehe die Welt nur aus Gegenständen und Personen. "Warum ein Flugzeug in ein Gebäude fliegt, das können sie nicht verstehen", sagt Lüdke. Das ständige Wiederholen bewirke eine langsame, aber effektive Aufarbeitung der Geschehnisse. Auch in den Kindern wachse dann die Zuversicht, und sie spielen lieber den Feuerwehrmann als den Verletzten oder den Toten.

Kinder, sagt Lüdke, suchen auch immer eine Person, an der sie die Geschehnisse festmachen können, sie suchen sozusagen einen Schuldigen. Wenn sie keinen finden, dann fühlen sie sich, so absurd es klingt, selbst schuldig.

Aus diesen Gründen müssten Eltern sehr viel reden mit ihren Kindern, und in den Schulen müssten Lehrer darauf achten, dass die Kinder zeichnen und spielen können. Miteinander.

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