Kultur : Helle Töne, kalte Töne

Isabel Herzfeld

Auch Komponisten müssen sich zuweilen outen: "Ich bin Symphoniker," bekannte Peter-Jan Wagemans mit 40 in einem Interview. Und das ist auch gut so, können wir getrost hinzufügen, zumindest nachdem wir die Symphonie Nr. 7 des Niederländers vom Deutschen Symphonie Orchester Berlin unter der engagierten Leitung von Jurjen Hempel gehört haben. Neu ist das 1999 entstandene Werk natürlich nicht, im Gegenteil greift es tief in die Traditionskiste: Im Titel "Überm Sternenzelt" bezieht sich der 1. Satz auf den Schlusschor von Beethovens Neunter; der alte Goethe geistert mit seinen letzten Worten "Mehr Licht" durch den dritten. Doch auch wenn im Finale eine Art Gesamtapotheose des 19. Jahrhunderts anklingt, verlegt sich Wagemans nie aufs Zitieren. Seine Sprache benutzt vielschichtig durchaus zeitgenössische Mittel etwa von Cluster-Strukturen oder Vierteltönigkeit und beweist vor allem im "Sternen"-Satz mit seinen hellen, kalten Glockenspieltönen große Klangfantasie. Zweifellos eine Repertoire-Bereicherung für Liebhaber monumentaler Orchestermusik.

Louis Andriessen, geboren 1939, liefert einen eigenwilligeren, auch irritierenderen Beitrag zum Ausklang der "Woche der niederländischen Musik", die Deutschlandradio Berlin, Radio Nederland und "Muziek Groep Nederland" veranstalteten. Doch auch er beschwört eine Endzeit-Vision. "Tao" (Der Weg) heißt der Mittelsatz seiner "Trilogie des letzten Tages". Ein wuchtiger Basston fährt in eine schwebende Musik von Celesta, Harfe, Glockenspiel. Als Symbol des Todes vervollständigt er den Klang. Die Stimmen von Katja Beers, Magdalena Mallaun, Kristine Naudé und Karola Hausburg durchziehen die rhythmisch raffinierte Mixtur. Die Pianistin Tomoko Mukaiyama dagegen setzt auf aggressive Akkorde, bevor sie unversehens auf dem Podium niederkniet und eine einfache Melodie zur japanischen Zither Koto singt. Damit beschließt sie meditativ das wild zerrissene Werk.

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