Kultur : Helles Hallen

GREGOR SCHMITZ-STEVENS

In ihrer achten Saison sind die "Klassiker auf Landpartie" aus dem Brandenburger Kultursommer nicht mehr wegzudenken: Scharen von Musikliebhabern machen sich wochenends auf den Weg, die Landschaft der Mark mit ihren bauhistorischen Schätzen, klassische Musik, persönliche Begegnungen und ländliche Tafelfreuden zu einem Sommererlebnis der besonderen Art verschmelzen zu lassen - von Himmelpfort bis Doberlug, von Friedersdorf bis Brandenburg.

Diesmal lag das Ausflugsziel an der Spree, auf halbem Wege zwischen Frankfurt und Berlin: zunächst ging es nach Rauen, in dessen Wehrkirche Gert Westphal aus Fontanes erstem Roman "Vor dem Sturm" las, dann weiter nach Fürstenwalde, wo Vladimir Ashkenazy und das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin im Dom St.Marien ein Konzert gaben.

In Mozarts Klavierkonzert d-Moll KV 466 spielte und dirigierte Ashkenazy gleichzeitig - eine Aufführungstradition, die für ein ganzheitliches, intimes Klangideal steht.Sehr klar und schlank, mit einer Neigung zu raschen Tempi ließ Ashkenazy Mozarts Musik erklingen; die problematische Akustik mit ihren langen Nachhallzeiten kam dieser Interpretationsweise leider nicht gerade entgegen.Eher eignet sich der beeindruckend rekonstruierte Kirchenraum für eine größer besetzte, "öffentlichere" Musik wie Beethovens erste Sinfonie - wenngleich auch hier so manches Detail und manche Generalpause in diffusen Echos versank.

Voll musikantischer Spielfreude und mit humorvollem Temperament animierte Ashkenazy die Musiker seines Orchesters zu einer spritzigen, sehr lebendigen Wiedergabe.Allen Beteiligten bereitete der sympathische atmosphärische Rahmen sichtlich Freude.Der langanhaltende Beifall galt nicht nur der musikalischen Leistung, sondern auch der verdienstvollen Idee der Sommerkonzerte selbst, die auch in diesem Jahr die Denkmalpflege in Brandenburg finanziell unterstützt: der Apostelaltar von 1451 in der Nikolaikirche zu Bad Wilsnack ist das Hauptbenefizobjekt dieses Jahres.Und man darf sich auch darüber freuen, daß Vladimir Ashkenazy nicht nur als Kurator, sondern auch als Dirigent des DSO - über seinen Wechsel zur Tschechischen Philharmonie Prag hinaus - den Brandenburgischen Sommerkonzerten treu bleiben wird.

Bis 5.September, Infos unter 261 37 61

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