Kultur : Hellmuth Karasek über Doris Dörries Roman

Doris Dörrie: "Was machen wir jetzt?" Roman D

Das Buch macht gerade Furore, Lesungen der Autorin sind In-Events und den Film mochten die meisten auch: Doris Dörries Roman "Was machen wir jetzt?" (der entsprechende Film heißt: "Erleuchtung garantiert") trifft ganz offensichtlich einen Nerv der Zeit, ist leicht lesbar, hat Menschen zu Helden - Männer wie Frauen -, wie wir sie alle kennen, wie wir sie alle sind. Kein Platitüden, kein Kitsch treibt einem beim Lesen die Schamröte ins Gesicht - also (Leser)Herz, was begehrst du noch mehr?

In Dörries Roman lese ich auf Seite 199: "wir schlafen beide wie die Murmeltieren", und ich weiß, ich befinde mich in einem Unterhaltungsroman - U statt E, das gilt in Deutschland als "Igitt!" Ja, wäre das Buch von, sagen wir John Updike, dann wäre das auch für strenge Kunstrichter okay, denn das Buch handelt gescheit von all dem, was uns passiert: also von Ehekrisen, ja, Sinnkrisen, von unseren Kindern, die uns, kaum flügge, weglaufen wollen, es handelt davon, dass uns das Alter kaputt macht und der Sex nicht rettet (wenn Dörrie ihn auch zugesteht, dass er Spass machen kann). Es handelt von Lebenshilfe-Lehren, die, obwohl platt, dem Kapitalismus müden Mitteleuropäer dennoch Hoffnung bringen.

Und es handelt davon, dass wir weiter leben müssen, können, wollen - auch wenn sich unsere Jugendhoffnungen und Träume nicht erfüllen. Einer, der Filmemacher werden wollte, wird Fastfood-Kaufmann (er heißt auch, Kismet, Kaufmann) und wird doch ein Held. Dass wir Helden werden können, liegt am Tod, der, so weiß Dörrie, immer mitspielt - bei ihr und bei uns. Mir ist das schnurzpiepe, ob die Helden "schlafen wie Murmeltiere". Ich habe das gern, mit Gewinn und auch, ich gestehe, als Trost gelesen.Doris Dörrie: "Was machen wir jetzt?" Roman Diogenes Verlag, Zürich 2000. 304 Seiten. 39.80 Mark.

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