Kultur : Hellmuth Karasek über Oscar Wilde

Oscar Wilde: Gesammelte Werk in fünf Bän

"Männer heiraten aus Langeweile, Frauen aus Neugier; beide werden enttäuscht." "Es gibt nur eins, was schlimmer ist, als im Gerede zu sein, nämlich nicht im Gerede zu sein." Den Häßlichen und Dummen geht es auf dieser Welt am besten. Sie sitzen behaglich da und sehen sich das Schauspiel mit offenen Augen an." Über eine schrille Frau: "Sie ist in allem ein Pfau, bis auf die Schönheit." Eine Versuchung wird man nur los, indem man ihr nachgibt." "Gute Vorsätze sind zwecklose Versuche, in die Gesetze der Naturwissenschaften einzugreifen."

Mit solchen Paradoxa und zynischen Apercus würzt der reiche nichtstuerische Dandy Lord Henry Walton Oscar Wildes 1890 erschienenen Roman "Das Bild(nis) des Dorian Gray", scheinbar das Meisterwerk eines morbiden, dekadenten Ästhetizismus, nach der Maxime Wildes geschrieben: "Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben. Das ist alles." Aber in Wahrheit ist der Roman, der glänzend, aber auch schwülstig geschrieben ist, kein Hymnus auf ewige Jugend und unvergängliche Schönheit, sondern ein hochmoralisches Buch. Der in seinem Genuss rücksichtslos andere Zerstörende wunderschöne Dorian Gray sieht, während er schön bleibt, wie sein Bildnis altert und hässlich wird, während er seine Geliebte in den Tod treibt, sein "Gewissen", den Maler Basil Hallward ermordet und auch sonst stetig verkommt. Am Ende ersticht er das scheußliche, bluttriefende Bild - seine Seele - und tötet sich: jetzt ist das Bild wieder rein und unversehrt während er als scheußlicher Leichnam daneben liegt. Wilde schildert also einen faustischen Pakt mit dem Teufel: Wie nah das unser Dekadenz ist, mag der Satz belegen: " ... dass wir in einer Zeit leben, von der das Unnötige das einzige ist, was wir wirklich benötigen."Oscar Wilde: Gesammelte Werk in fünf Bänden. Zürcher Ausgabe. Vollständig neu übersetzt von Hans Wolf, Eike Schönfeld, Susanne Luber, Georg Deggerich und Bernd Eilert. Das Bildnis des Dorian Gray. Übers. v. Hans Wolf. Haffmanns Verlag. Zürich. 1999. 188 Mark

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