Henrik Spohler in der Galerie Morat : Im Warenfluss

Er fotografiert die Welt der anonymen Warenlogistik: Henrik Spohler geht in der Galerie Morat mit distanziertem Blick unserer wirtschaftlichen Realität auf den Grund.

Angela Hohmann
Warenkunde. Spohlers „Containerterminal, Hamburg, Deutschland“.
Warenkunde. Spohlers „Containerterminal, Hamburg, Deutschland“.Foto: Henrik Spohler

Container türmen sich, dazwischen gibt es schluchtartige Gänge. Im Hintergrund sind Hebekonstruktionen, die Silhouette einer Stadt und ein Fluss zu sehen. Der Horizont verschwindet im Dunst. Menschen existieren in dieser Welt der anonymen Warenlogistik nicht. Bis auf die Farben der Container wirkt alles gleichförmig. So hat der Fotograf Henrik Spohler den Hamburger Containerterminal fotografiert. Für seine Serie „In Between“, die derzeit in einer kleinen Auswahl in der Galerie Robert Morat zu sehen ist, machte sich Spohler auf die Suche nach den Knotenpunkten des Welthandels.

Er war in Deutschland, Spanien, Polen, den Niederlanden, Belgien und China und hat dort Frachtflughäfen, Rangierbahnhöfe, Tiefwasserhäfen und Verteilerzentren aufgesucht. Nationale Unterschiede lassen sich beim Betrachten der Bilder nicht erkennen. Die Lagerhalle im spanischen Vilarreal mit ihren funktionalen Formen und den beiden gelben Transportern davor könnte überall stehen.

Neuwagen wie Außerirdische

Am besten versinnbildlicht der knotenpunktartige Wirrwarr unterschiedlicher Förderbänder im Paketverteilzentrum am Flughafen Köln-Bonn die Verschränktheit weltweiter Warenströme in unserer globalisierten Welt. Die gleichförmigen Orte wirken mitunter surreal, wenn in weiße Hüllen verpackte Neuwagen im Hafen von Emden vor einem Frachtschiff wie Außerirdische oder Geister stehen.

In den automatisierten Prozessen des weltweiten Handels ist alles genormt, damit die Waren von einem Orte zum anderen fließen können. Menschen spielen kaum noch eine Rolle. „Der Mensch ist eher zum Störfaktor geworden“, sagt Spohler. Mit distanziertem Blick geht er unserer wirtschaftlichen Realität auf den Grund. Seine an der Becher-Schule orientierte Industriefotografie offenbart geradezu prophetisch die für unsere Zukunft entscheidenden gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen (Preise: 3500–5800 Euro).

Robert Morat Galerie Berlin. Linienstr. 107; bis 11. 3., Di–Sa 12–18 Uhr

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