Henryk Górecki : Leise klagen meine Lieder

Den Erfolg hat er nicht gesucht, nie in seinem Leben nach Beifall geheischt. Und doch erreichte er mit seiner 1976 komponierten "Sinfonie der Klagelieder" eine beinahe schon unheimliche Popularität. Nun ist Henryk Górecki im Alter von 76 Jahren gestorben.

Henryk Górecki.
Henryk Górecki.Foto: AFP

Über eine Millionen Mal verkaufte sich die Aufnahme "Sinfonie der Klagelieder" seit ihrer Entdeckung durch das Radio Anfang der neunziger Jahre und machte Menschen zu Klassikhörern, die sich das bis dahin nicht hätten träumen lassen.

Góreckis langsam dahin strömendes Werk, in dessen Sopranstimme ein polnisches Marienlied des 15. Jahrhunderts eingewoben ist, schob sich in der Folge unter unzählige Filmbilder oder Choreografien. Eine Meditation über den Tod, ein Innehalten und die bewusste Abkehr von allem, was ihrem Komponisten bisher heilig war. Die „Klagelieder“ sind von elementarer Einfachheit, die unsere Endlichkeit in der überirdischen Schönheit des Klangs aufzuheben suchen.

Dass Henryk Górecki, der am 6. Dezember 1933 in Czernica geboren wurde, die treibende Kraft der polnischen Musikavantgarde, macht sein später Chart-Erfolg beinahe vergessen. Mehr noch als sein gleichaltriger Kollege Krzysztof Penderecki experimentiere Górecki mit punktuellen Serialismus und sorgte 1960 beim 4. Warschauer Herbst für Tumulte im Publikum. Ein kraftvoller Ausdrucksmusiker bediente hier Techniken, wie sie im Westen Pierre Boulez einsetzte. Bald drängte es Górecki, den gelernten Grundschullehrer, auch zum Unterrichten. Seine Position als Rektor der Kattowitzer Musikhochschule gab er wegen Einmischung der kommunistischen Partei auf.

Nach den „Klageliedern“ und ihrem Bruch mit der Moderne, schuf Górecki Großwerke zu Ehren von Johannes Paul II. Wer dieses Reisenden durch die ästhetischen Weiten des 20. Jahrhunderts gedenken will, höre sein Spätwerk für das Kronos Quartet: „...songs are sung“. Nach schwerer Krankheit ist Henryk Górecki nun im Alter von 76 Jahren gestorben. UA

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