Kultur : Herbstauktion: Weniger ist Lehr

MK

Irene Lehrs Erfolgsgeheimnis ist einfach: Das überschaubare Angebot und die Verbindung von sorgsam ausgewählten Stücken im niedrigen Preisbereich mit einzelnen hoch dotierten Werken haben ihr in der Vergangenheit Verkaufsquoten beschert, von denen andere Auktionshäuser nur träumen können. Bei der bevorstehenden Herbstauktion am 20. Oktober gelangen knapp 600 Kunstwerke des 20. Jahrhunderts zum Aufruf - mehr als je zuvor, aber auch diesmal ist Lehr der Sorgfalt bei der Zusammenstellung treu geblieben.

Entdeckungen zu machen sind zum Beispiel beim Expressionismus. Otto Muellers Kreidezeichnung eines "Knieenden Aktes unter Bäumen", um 1922, dürfte für geschätzte 20 000 Mark ebenso einen Liebhaber finden wie Kirchners seltende Radierung "Badende im Waldbach" von 1923, die 12 000 Mark kosten soll. Eine besondere Attraktion stellt das abstrahierte, farbintensive "Blumenstilleben" von Ida Kerkovius von 1946 dar (Taxe 45 000 Mark). Traditionell gut vertreten ist die ostdeutsche Kunst, etwa mit zahlreichen Arbeiten von Gerhard Altenbourg, unter denen die farbige Mischtechnik "Unterweisung in Homiletik" von 1957 herausragt (38 000 Mark). Gespannt sein darf man auf das Ergebnis von Bernard Schultzes Migof-Plastik "Temt" von 1960 / 62 (30 000 Mark), während Paul Wunderlichs "Weiblicher Torso und Zebrastuhl I" (1967 / 70) mit 45 000 Mark sehr optimistisch geschätzt ist. Apropos Schätzung: Vor einem Jahr wurde in der Berliner Villa Grisebach Max Beckmanns Folge "Sechs Lithografien zum Neuen Testament" (1911) aus der zweiten Auflage von 1917 für 14 000 Mark zugeschlagen. Bei Irene Lehr ist die auf Japanpapier gedruckte Erstauflage der Mappe im Angebot - für nur 9000 Mark.

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