Kultur : Herbstmusik: das Pihtipudas Kvintetti im Meistersaal

ULRICH AMLING

Klavierquintette, die als Ensemble dauerhaft zusammenarbeiten, sind eine Seltenheit.Doch das Beispiel des deutsch-finnischen Pihtipudas Kvintetti belegt eindrucksvoll, daß ein Klavierquintett mehr ist als ein Streichquartett mit Klavierstimme oder als ein Pianist mit Begleitung.Seit seiner Gründung 1988 widmet sich das Kammermusikensemble um Götz Bernau, den ersten Konzertmeister der Berliner Symphoniker, mit Vorliebe selten gespielten Werken.Bei ihrem dritten Besuch beim "Festival der europäischen Musik" im Berliner Meistersaal präsentierten die Musiker Werke von Ernest Bloch und Edward Elgar.Der Schweizer Bloch, in seinem Frühwerk noch stark von Mahler und Bruckner beeinflußt, zeigt im Klavierquintett Nr.1 (1923) seine eigene, herbe Handschrift.Expressives Stampfen des Klaviers, flächige Streicher: holzschnittartig dunkel im Agitato des ersten Satzes.Eine erstarrte Welt aus Eis entfaltet das Andante mistico mit fahlen Vierteltonschritten, während der rhythmisch ausgepfeilte Schlußsatz alle Energie aufzehrt: alles endet in Entkräftung.Feinnervig deutete das Pihtipudas Kvintetti Blochs Schattenspiel aus, von zupackend massiv bis nahezu tonlos.

Ein Ensemble, das ganz uneitel die hohe Kunst des Zusammenspiels pflegt.Davon profitierte auch Edward Elgars Klavierquintett a-moll (1919).Obwohl nur vier Jahre früher als Blochs Werk komponiert, entstammt es noch ganz der musikalischen Auffassung des 19.Jahrhundert.Flexibel gestalteten die Streicher zarte Melodiebögen, in die sich mit schlanken Ton das Klavier mischt.Elgar wird hier nicht als verfettete Romantikschnulze dargeboten: das Pihtipudas Kvintetti setzt auf ein fein gestaffeltes Klangbild und überzeugt durch große Homogenität.Elgars zurückblickendes Musik- und Lebensgefühl schält sich - fast beiläufig - aus dem Andante des letzten Satzes: von fern taucht ein Walzer taucht auf, vergessen und verblichen wie eine alte Fotografie.Bewegende Herbstmusik an einem Sommerabend.

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