Kultur : Herbstzeit

Rüdiger Schaper

Ein Buch, das von Kirchen erzählt, stillgelegten Bahnlinien, Jägerhochständen und Dorfteichen, von Menschen und von Tieren. Es ist nicht das erste Mal, dass Günter de Bruyn dem flachen Brandenburger Land eine Liebeserklärung macht; doch er dringt immer tiefer in die Stille und Abgelegenheit der Region ein, wo er zu Hause ist, bei Görsdorf, südlich des Scharmützelsees. Er entdeckt kostbare Dokumente wie den Eintrag in der Kirchenchronik von Kossenblatt, der vom Ende des Zweiten Weltkriegs berichtet. Zu DDR-Zeiten wurden solche Dinge unterdrückt.

Es sind alte Dörfer, durch die man mit de Bruyn wandert, ihre Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. De Bruyns Blick hat etwas Magisches, er kann in Steinen lesen. Seine Sprache ist klar und kontrastreich, wie die Schwarzweiß- Fotografien von Rüdiger Südhoff, sie hat auch etwas Herbstliches, weil nicht zu leugnen ist, dass ein gewisser Verfall diese Landschaft im Griff hat und dass die Menschen wegziehen, so wie auch die traditionellen Arbeitsmöglichkeiten verschwunden sind. „Die Vorzüge der hier zu beschreibenden Gegend bestehen vor allem in dem, was ihr fehlt“, sagt de Bruyn. Die Äcker sind nicht sehr fruchtbar, nennenswerte historische Bauten gibt es nicht, auch Berliner Wochenendausflügler und Datschenbesitzer haben hier wenig verloren. De Bruyn genießt diese Einsamkeit, andere würden sagen: die Tristesse, die vielleicht auch alarmierende Menschenleere: „Auf volle Kirchen können die Pastoren nur zu Weihnachten hoffen.“ Ein Buch, das die Wahrnehmung verändert. Es ist geprägt von einer seltenen Demut vor dem Unspektakulären.


Dieses Buch bestellen Günter de Bruyn: Abseits. Liebeserklärung an eine Landschaft. Mit Fotografien von Rüdiger Südhoff. S. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. 190 Seiten, 19,90 €.

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