Kultur : Herrlicher Stuck, rauschende Erfolge Das Wunder von der Friedrichstraße:

ein Glückwunsch zur Rettung des Admiralspalasts

Johannes Heesters

Mit großer Freude habe ich davon gehört, dass der Admiralspalast an der Berliner Friedrichstraße gerettet ist. Das schöne alte Haus soll aufwendig saniert werden, unter den später eingezogenen Wänden und Zwischendecken müssen herrliche Stuckornamente verborgen sein, an die ich mich noch gut erinnere. Ab 2006, so erfahre ich, soll dort auf der Bühne wieder gespielt werden. Nur ein lebendiges Theater ist ein gutes Theater. Schon allein, dass in Berlin in der heutigen Zeit ein Theater wieder eröffnet wird, ist ein Grund zur Freude. Eigentlich fast ein Wunder.

Mit dem alten Admiralspalast verbinden mich wunderbare Erinnerungen. 1940 spielte ich dort den Danilo Danilowitsch, meine Paraderolle aus der „Lustigen Witwe“. Es war eine ganz besondere Premiere, sie fand zum 70. Geburtstag von Franz Lehár statt. Georg Jacoby, der Mann von Marika Rökk, führte Regie, die Besetzung war grandios: Hubert von Meyerinck spielte „Ihre Exzellenz“, Djamila Scirova sang die Hanna. Lehár selbst dirigierte.

In der Pause kam er in meine Garderobe, ließ eine Flasche Champagner öffnen, stieß mit mir an und sagte: „Ich muss Ihnen sagen, lieber Herr Heesters, Sie sind der beste Danilo, den ich je gesehen und gehört habe. Ich danke Ihnen!“ Lehár war zu dieser Zeit die herausragendste Persönlichkeit am Himmel der leichten Muse, sein Lob machte mich verlegen. Ich wollte nicht großspurig erscheinen, deshalb antwortete ich: „Das ist nett von Ihnen, verehrter Meister. Ich fürchte nur, dass Sie das schon morgen einem anderen Tenor sagen werden, der genauso schlecht ist wie ich.“ Lehár sagte kein Wort mehr und verabschiedete sich.

Die Premiere wurde ein rauschender Erfolg, die „B.Z. am Mittag“ jubelte: „Was hier geboten wird, übertrifft alle Erwartungen. Heesters gibt den leichtsinnigen Danilo in derartiger Vollendung, wie er es bisher noch kaum vermocht hat.“ Und Josef Müller-Marein schrieb im „Berliner Lokal-Anzeiger“: „Heesters an der Seite der Scirova: eine Prachtgestalt von männlichem, jungenhaftem Charme, der die Töne ganz leichter, ganz köstlicher Ironie, aber auch solche von echtem Gefühlsausbruch findet.“ Lehár traf ich ein paar Jahre später wieder, zum Glück war er mir nicht böse, obwohl ich die Ehrlichkeit seines Urteils in Frage gestellt hatte.

Ein halbes Jahrhundert später führte mich mein Weg erneut in den Admiralspalast, der nun „Metropol- Theater“ hieß. 1993 zeichnete das ZDF dort die große Fernsehgala zu meinem 90. Geburtstag auf. Georg Thomalla führte als Moderator durch die Sendung, als Überraschungsgäste traten liebe Freunde auf: Caterina Valente, Johanna von Koczian, Lilo Pulver, Klausjürgen Wussow. Ich selber habe auch gesungen, natürlich „Da geh’ ich ins Maxim“, meinen Danilo-Hit aus der „Lustigen Witwe“.

Ob ich den Admiralspalast wohl noch einmal sehen werde? Respekt vor dem jungen Mann, der mit so viel Courage die große Aufgabe angeht, diesen Tempel deutscher Operetten- und Revuegeschichte wieder flott zu machen. Ich wünsche ihm, dass das Publikum es ihm mit regem Besuch im neuen alten Admiralspalast dankt.

Johannes Heesters, 101, wird vom Guiness-Buch der Rekorde als ältester aktiver Schauspieler der Welt geführt. Sein erstes Theaterengagement bekam er 1921, seinen ersten Film drehte er 1924. Zuletzt trat er im August 2004 als „Stimme des Herrn“ in einer „Jedermann“-Inszenierung im Kölner Dom auf. Heesters lebt am Starnberger See.

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