Kultur : Herzblut

Die Staatskapelle musiziert im Roten Rathaus

Daniel Wixforth

Ein bisschen in den Osten zieht es die Staatsoper doch noch. Wenn man das Musiktheater schon tief in den Westen verlagert, dann soll doch bitte die Kammermusik in der Nähe der alten Spielstätte bleiben. Für zehn Konzerte nutzen unterschiedliche Ensembles aus Musikern der Staatskapelle den Festsaal des Roten Rathauses. „Berlin und die Welt“ heißt das Motto, da sich ja sonst die Politik im Glanze der Kultur sonnt, darf man das auch mal umdrehen.

Nur: Akustisch glänzt zunächst an diesem „Bach und Telemann“-Abend nicht viel. Telemanns Kantate „Verfolgter Geist, wohin?“ wird in ein enges Korsett geschnürt. Eine exakte, aber sehr trockene Auffassung dieser Musik. Und bei der Sopranistin Anna Prohaska verschluckt der Festsaal besonders im Rezitativ zu viele, dem Text inhärente Emotionen. Auch in der folgenden Triosonate g-Moll sowie in Carl Philipp Emanuel Bachs Konzert für Oboe, Streicher und Basso continuo herrscht im Ensemble die Überzeugung, dass die Begleitstimmen zur Mitte des 18. Jahrhunderts zur Nüchternheit verdammt waren. Das führt zur Durchhörbarkeit, bewirkt aber interpretatorische Monotonie.

Anders die Solostimmen: Petra Schwieger entwickelt bei Telemann einen weich gebetteten Geigenton, und Gregor Witts Oboe sorgt beim jungen Bach für viel Klangfarbendramaturgie. In Vater Bachs Kantate „Mein Herz schwimmt im Blut“ findet sich dann auch Anna Prohaska mit der Rathaus-Akustik zurecht und kämpft sich durch den so miterlebbaren Prozess der Sündenreinigung. Daniel Wixforth

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