Kultur : Herzlichen Glückwunsch

Jean Paul, Georg Büchner, Albert Camus, Vivien Leigh, Willy Brandt: 2013 werden viele runde Geburtstage gefeiert.

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Nachhaltiger Denker. Karl Marx starb vor 130 Jahren, aber sein Werk lebt. Foto: AFP
Nachhaltiger Denker. Karl Marx starb vor 130 Jahren, aber sein Werk lebt. Foto: AFPFoto: AFP

Es ist ja keineswegs so, dass 2013 bloß im Zeichen von Wagner, Verdi, Britten steht, wegen der Komponistenjubiläen, die landauf, landab gefeiert werden (Tsp. vom 30. 12. 12). 2013 ist außerdem ein Jean-Paul-, Büchner-, Grimm- und Karl-Marx-Jahr, um nur die Wichtigsten zu nennen, die ebenfalls gewürdigt werden.

Die Grimm-Festivitäten starteten schon kurz vor Weihnachten mit einem Festakt im Staatstheater Kassel, denn der erste Band der „Kinder- und Hausmärchen“ von Jacob und Wilhelm Grimm erschien am 20. Dezember 1812. Jacobs Todestag jährt sich am 20. September zum 150. Mal. Höhepunkt der Jubiläumsaktivitäten rund um die Märchensammler und Sprachforscher ist die Ausstellung „Expedition Grimm“ ab 27. April in der Kasseler Documenta-Halle, mit Manuskripten und Erinnerungsstücken der Brüder sowie Arbeiten des Malerbruders Ludwig Emil. Außerdem im Programm: sechs weitere Grimm-Ausstellungen, rund 200 Veranstaltungen allein in Hessen, die Hanauer Märchenfestspiele, das Brüder Grimm Festival in Kassel (Infos: www.grimm2013.nordhessen.de).

Wer die Grimms besuchen möchte: Sie sind bekanntlich in Berlin begraben, denn Friedrich Wilhelm IV. hatte die Brüder an die Spree geholt, wo sie zwei Jahrzehnte lang recht sorglos lebten. Ihre Gräber finden sich, hübsch aufgereiht, auf dem St.Matthäus-Kirchhof in der Schöneberger Großgörschenstraße. Und Grimm zum Anfassen bietet die Märchenhütte im Monbijoupark (www.maerchenhuette.de).

Der frühromantische Schriftsteller Jean Paul schrieb zwar keine Märchen, aber märchenhaft fantastische Romane. Zum 250. Geburtstag des neben Wagner wohl berühmtesten Wahl-Bayreuthers (am 21. März) sind eine Fülle von Veranstaltungen geplant, unter anderem eine dezentrale Litfaßsäulen-Ausstellung, die an über 30 Orten in acht Bundesländern installiert werden soll (www.jeanpaul-2013.de). An Neuveröffentlichungen erscheinen unter anderem Biografien von Beatrix Langner: „Jean Paul. Meister der zweiten Welt“ (C. H. Beck) und Helmut Pfotenhauer: „Jean Paul – Das Leben als Schreiben“ (Hanser). Bereits im Januar wird der 250. von Johann Gottfried Seume gefeiert. Die bekanntesten Verse des Dichters und Spaziergängers nach Syrakus: „Wo man singt, da lass’ dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“

Auch Georg Büchners 200. Geburtstag hat das neue Jahr im Angebot, am 17. Oktober. Die Stadt Gießen plant für Juni ein internationales Büchner-Theaterfestival, der Dramatiker und Freiheitskämpfer wird ab Oktober außerdem mit einer Ausstellung in Darmstadt gewürdigt, die Büchners internationalen Rang hervorheben und bislang unveröffentlichte Autografen zugänglich machen will. Der Geburtstag des Philosophen und Aufklärers Denis Diderot jährt sich im Oktober zum 300. Mal, an runden 100-Jährigen hat 2013 unter anderem Albert Camus, Richard Nixon, Willy Brandt, Vivien Leigh, Loretta Young, Gert Fröbe, Peter Frankenfeld, Robert Lembke und den „Nick Knatterton“-Erfinder Manfred Schmidt zu bieten.

Kaum zu glauben übrigens, wer im neuen Jahr alles 50 wird: Brad Pitt, Johnny Depp und Emmanuelle Béart, Til Schweiger und Katja Riemann, Soderbergh und Tarantino. Wenn nicht auch noch Anne-Sophie Mutter, Ute Lemper, Eros Ramazotti und Charlotte Link ein halbes Jahrhundert voll machen würden, könnte man meinen, 1963 möchte sich vor allem als das Kino-Geburtsjahr der Nachkriegsära in Erinnerung bringen.

Was die historischen Gedenktage betrifft, ist 2013 vor allem zum Warmlaufen für 2014 und 2015 gut, wenn 100 Jahre Erster-Weltkriegs-Beginn und 70 Jahre Zweiter-Weltkriegs-Ende gewürdigt werden wollen. Am 30. Januar vor 80 Jahren übernahm Hitler die Macht, es folgten der Reichstagsbrand (27. Februar) und die Errichtung des ersten Konzentrationslagers in Dachau am 20. März. Vor exakt 70 Jahren, am 18. Februar 1943, rief Joseph Goebbels den „totalen Krieg“ aus. An diesem Tag wurden auch die Geschwister Scholl beim Verteilen von Flugblättern an der Münchner Uni verhaftet und vier Tage später hingerichtet.

Trier feiert einmal mehr den berühmtesten Sohn der Moselstadt, Karl Marx, zum 130. Todestag am 14. März: mit einer großen Ausstellung über die „Ikone Karl Marx“ im Stadtmuseum und 500 Marx-Vinylfiguren des Konzeptkünstlers Ottmar Hörl im Umfeld der Porta Nigra. Noch ein Datum für Politfexe: Am 4. Februar – ihrem 100. Geburtstag – können sie die mutige Tat von Rosa Parks in Erinnerung rufen, jener schwarzen Amerikanerin, die sich 1955 in einem Bus in Montgomery, Alabama weigerte, ihren Platz für einen Weißen frei zu machen – das brachte die Bürgerrechtsbewegung in Schwung.

Die Stadt Paderborn darf den Superlativ eines vierstelligen Jubiläums für sich beanspruchen. 1700 Jahre nach der Vereinbarung von Mailand, mit der Kaiser Konstantin das Christentum als Religion tolerierte, präsentieren die Stadt, das Erzbistum und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine große kunst- und kulturhistorische Ausstellung über die Christianisierung Europas. „Credo“ wird am 26. Juli von Bundespräsident Joachim Gauck eröffnet, der auch die Schirmherrschaft für die dritte große Paderborner MittelalterAusstellung innehat. Christiane Peitz

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