Kultur : "Hetzjagd-Prozess": Rechte Gewalt - wie die Justiz bisher urteilte

Berlin, März 2000: Das Landgericht Berlin verurteilt vier Skinheads, die im Oktober 1999 in Lichtenberg einen Arbeitslosen zu Tode gequält haben. Die beiden 23 Jahre alten Täter werden wegen Mordes zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Ihre 17 und 18 Jahre alten Kumpane bekommen acht und achteinhalb Jahre Jugendstrafe. Die Täter hatten ihr 36 Jahre altes Opfer zunächst geschlagen und getreten und nach diesen Misshandlungen schließlich erstochen. Die Tat weist laut Richter Kai Dieckmann "albtraumhafte Züge" auf. dpa

Stralsund, April 2000: Das Oberlandesgericht Rostock verurteilt fünf junge Rechtsradikale wegen eines Überfalls auf zwei Vietnamesen zu Haftstrafen zwischen vier und sechs Jahren. Sie wurden der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten Mordes für schuldig gesprochen. Im August des Vorjahres hatten die Männer ihre Opfer im pommerschen Eggesin lebensgefährich verletzt. Eines der Opfer erlitt mehrere Schädelbrüche. Die Bundesanwaltschaft hatte das Verfahren mit der Begründung an sich gezogen, die Tat gefährde die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland. rtr

Dessau, August 2000: Zweieinhalb Monate nach dem Mord an dem Mosambikaner Alberto Ariano in Dessau wurden die beiden 16-jährigen Täter zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt, ein 24-Jähriger erhielt eine lebenslange Strafe. Die drei Skinheads hatten den Afrikaner zufällig in einem Park getroffen und den 39-jährigen Familienvater zu Tode getreten und geschlagen und anschließend nackt ausgezogen. Aus Ausländerhass hätten sie den Tod des Opfers billigend in Kauf genommen, hieß es in der Urteilsbegründung. Tsp.

Wuppertal, August 2000: Fünf Wochen nach einem brutalen Skinhead-Überfall an einer KZ-Gedenkstätte in Wuppertal werden drei junge Rechtsradikale zu Jugendstrafen von je sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Die 17, 18 und 20 Jahre alten Neonazis hatten am Juli 2000 auf friedliche Demonstranten eingeprügelt. Die Täter wurden wegen gefährlicher Körperverletzung, Störung einer Versammlung und Hausfriedensbruch verurteilt.dpa

Eisenach, September 2000: Für ihren Angriff auf zwei Afrikaner im Bahnhof von Eisenach werden vier Neonazis zu Jugendstrafen zwischen sieben Monaten und eineinhalb Jahren verurteilt. Die Strafe wird für zwei der Täter im Alter von 17 und 19 Jahren zur Bewährung ausgesetzt. dpa

Stuttgart, Oktober 2000: Das Landgericht Stuttgart verurteilt drei rechtsextreme Jugendliche wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung zu Jugendstrafen zwischen dreieinhalb und vier Jahren. Die Täter im Alter zwischen 16 und 18 Jahren hatten im März einen Asylbewerber verprügelt und auf ein Bahngleis geworfen. Der Mann konnte gerettet werden. dpa

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