Kultur : Hexe und Fee

AUSSER KONKURRENZ „Notes on a Scandal“

Christina Tilmann

Sie ist schön, atemberaubend schön. Die langen blonden Haare immer etwas aufgelöst, nachlässig aufgesteckt, der Look à la bohemienne, die Gestik fliehend-nervös, die ganze Gestalt hat etwas Zerbrechliches. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen, um als Kunstlehrerin an der toughen Grammar School im Norden Londons zu bestehen. Aber die besten Voraussetzungen, damit sich alle, Kollegen wie Schüler, in sie verlieben.

Sheba (Cate Blanchett) ist die Fee in Richard Eyres „Notes on a Scandal“. Und Barbara (Judi Dench) die böse Hexe. Dünn gewordene Dauerwellenlocken, rasiermesserscharfe Mundwinkelfalten, eine Aura von Einsamkeit und Härte, die sie um sich trägt wie einen Körpergeruch. Dass zwischen diesen beiden Kolleginnen so etwas wie Freundschaft entstehen könnte, mit vertraulichen Plauderstündchen in Shebas Atelier – das träumt nur Barbara. Sie nennt es Seelenverwandtschaft, und meint wohl doch (auch) Liebe. Und nutzt, hexenhaft egoistisch, alle Mittel, um sich diese Liebe, diese Traumwelt zu bewahren.

Ein Thriller, der nur mit Worten arbeitet und doch mörderische Ausmaße annimmt, das ist „Notes on a Scandal“ nach einem Roman von Zoe Heller. Es gibt Erpressung, emotional wie real, Verleumdung und Verrat. Und auch ein echtes Verbrechen – und zwar nicht von Seiten der Hexe, sondern von Seiten der guten Fee. Die Affäre, die Sheba mit einem Schüler beginnt, liefert sie Barbara vollständig aus.Und es ist, bei aller Romantik und Zärtlichkeit, mit der Cate Blanchett und der Debütant Andrew Simpson diese Szenen angehen, der Punkt, an dem der Film versagt. Dass es verboten ist, was sie tun, wissen alle Filmfiguren – doch der Film selbst bleibt gegenüber der Übertretung haltungslos. Vielleicht hätte man mehr über dieses Dilemma nachgedacht, wenn Judi Dench sich nicht ganz so hexenhaft in den Vordergrund gespielt hätte.

Heute 19.30 Uhr (Berlinale-Palast), gleichzeitig Präsentation der Shooting Stars, 13. 2., 15 Uhr (Urania) und 22.30 Uhr (International). Kinostart: 22. 2.

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