Kultur : Hier geblieben

Neue Stiftung will Forscher in Deutschland halten

Hartmut Wewetzer

Auch eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt, sagt ein chinesisches Sprichwort. So lässt sich die Gründung einer Stiftung verstehen, mit der Spitzenforscher in der Max-Planck-

Gesellschaft schnell und flexibel gefördert werden sollen. Für den Verleger Stefan von Holtzbrinck, den Vorsitzenden des Stiftungsrats, hat Deutschland im Vergleich zu den USA bei der privaten Unterstützung der Wissenschaft noch viel aufzuholen. „Wir sollten uns daran gewöhnen, nicht alles auf den Staat zu schieben“, sagte von Holtzbrinck bei der Vorstellung der Stiftung in Frankfurt am Main. Mit den gigantischen Summen, mit denen die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung oder Apple-Gründer Steve Jobs die Forschung fördern, kann man nicht mithalten. Für die „Exzellenz-Stiftung zur Förderung der Max-Planck-Gesellschaft“ geht es eher darum, einen Anfang zu machen.

Die Stiftungsgründer haben gut fünf Millionen Euro zusammengetragen und wollen in den nächsten Jahren 100 Millionen Euro Stiftungskapital vor allem bei betuchten Privatpersonen einwerben. Mit einem solchen Grundkapital wäre es möglich, aus den Erträgen jedes Jahr fünf Millionen Euro an Fördermitteln zu vergeben. Zu den Gründern der Stiftung gehören neben von Holtzbrinck, der auch Verleger des Tagesspiegels ist, Unternehmer wie Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer, Investment-Banker Alexander Dibelius, Brillenhersteller Randolf Rodenstock sowie der Hamburger Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma.

Vor wenigen Tagen offiziell gegründet, kann die Stiftung bereits einen Erfolg vorweisen. „Es ist uns gelungen, den Physik-Nobelpreisträger Theodor Hänsch in Deutschland zu halten“, sagte von Holtzbrinck. Hänsch wird in diesem Jahr 65, hat also das Pensionsalter erreicht. Aus den USA, wo erfolgreiche Wissenschaftler auch länger arbeiten können, hatte er mehrere Angebote. Dank des privaten Engagements forscht er nun bis zum Jahr 2011 am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching. Ein weiteres Vorhaben der Exzellenz-Stiftung ist eine auf fünf Jahre angelegte Unterstützung herausragender Doktoranden. Sie können nach ihrer Doktorarbeit zwei Jahre im Ausland forschen und dann drei Jahre an einem Max-Planck-Institut eine eigene Arbeitsgruppe leiten.

Zu den Hauptzielen der Stiftung gehört es, das Abwandern junger Spitzenforscher ins Ausland zu verhindern. „43 Prozent von denen, die ins Ausland gehen, wollen nicht zurückkommen, 13 Prozent dagegen auf jeden Fall“, sagte von Holtzbrinck. „Wir werden uns um die kümmern, die sich noch nicht entschieden haben.“ Die Max-Planck-Gesellschaft ist dafür kein schlechter Platz, denn schließlich gilt sie immer noch als die Kaderschmiede der deutschen Forscherelite.Keine Wissenschaftsorganisation hat mehr Nobelpreisträger in ihren Reihen.

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