Kultur : Hier singen, nein danke

Christian Schröder

freut sich über Gratiskonzerte zum Jahrestag Als der Krieg in Berlin zu Ende war, haben die Soldaten der Roten Armee gefeiert. Sie packten ihre Ziehharmonikas und Gitarren aus, sie sangen und tanzten. Wahrscheinlich haben die Volkslieder, die sie spielten, nie wieder so überschwänglich und fröhlich geklungen.

Sechzig Jahre danach wird wieder gefeiert. Der Senat lädt zu einem „Tag der Demokratie“ am Brandenburger Tor ein, genau genommen sind es zwei Tage. Bevor am Sonntag, 8. Mai, Zeitzeugen und Prominente wie Boris Becker, Alfred Biolek, Michel Friedman oder Marcel Reich-Ranicki über das Kriegsende reden und Bundespräsident Köhler eine Rede hält, findet schon am Samstag ab 18 Uhr ein „Konzert für Demokratie“ statt, unter anderem mit Katja Riemann und den Prinzen . Die Prinzen, sächsische Vokalvirtuosen, sind bislang allerdings eher nicht durch politische Statements aufgefallen, ihre Hits hießen „Du musst ein Schwein sein“ oder „Küssen verboten“.

Ganz anders Tocotronic . Die Vertreter der sog. Hamburger Schule sind zwar keine Politrocker im eigentlichen Sinne, haben aber mit ihrer Meinung nie hinter dem Berg gehalten. Als sie vor Jahren einen Echo als „bester nationaler Newcomer“ erhalten sollten, lehnten sie ab. Mit dem Wort „national“ wollen sie nichts zu tun haben. Auf ihrem neuen Album loben sie Wolken und Wind und „das Licht, das du mir bringst“ und bekennen: „Aber hier leben, nein danke.“ Mit einiger Folgerichtigkeit sind Tocotronic nun Headliner eines „Deutschland, du Opfer“-Konzerts am Samstag ab 18 Uhr auf dem Gendarmenmarkt . Es richtet sich gegen die Geschichten von „Bombenterror“ und „Untergang“. Zweite Band auf der Bühne: Von Spar, ebenfalls aus Hamburg.

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