Kultur : Hier zapft der König selbst

10,8 Kilo schwer: Ein Hauptwerk des Berliner Silberbuffets kehrt zurück

Michael Zajonz

So schön kann sparen sein: Das berühmte Silberbuffet im Rittersaal des Berliner Schlosses war nicht nur eine kunsthistorisch herausragende Sammlung von Werken barocker Silberschmiedekunst – sondern zugleich der repräsentativste Teil des preußischen Staatsschatzes. In besonderen Krisensituationen, so 1745, 1760 und 1809, landeten etliche der kiloschweren Prunkgefäße im Schmelzofen, um den Staatsbankrott abzuwenden.

1926 wurde der überkommene Bestand geteilt: Das Große Augsburger Silberbuffet, eine zusammengehörige Gruppe von Prunkgefäßen, verblieb im Rittersaal des bis zur Zerstörung als Kunstgewerbemuseum genutzten Berliner Schlosses; seit zwei Jahren kann es im Kunstgewerbemuseum Schloss Köpenick wieder bewundert werden. Die übrigen Stücke gelangten in den Privatbesitz der Hohenzollern und von dort zumindest teilweise auf den Kunstmarkt.

Nun konnte eines der Hauptwerke des Silberbuffets durch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten zurückerworben werden. Die Kleine HohenzollernKanne, zwischen 1720 und 1733 vom Berliner Silberschmied Johann Christian Lieberkühn d. Ä. gefertigt, bereichert künftig die vorgestern eröffnete Silberkammer des Schlosses Oranienburg.

Ebenfalls dort gezeigt wird ihr Pendant, die Große Kurfürst-Kanne, die bereits in den fünfziger Jahren für die Schlösserverwaltung erworben werden konnte. Beide Gefäße sind mit jeweils rund 190 Silbertalern besetzt und wurden dank ihrer Zapfhähne einst für den Bierausschank im Tabakskollegium von König Friedrich Wilhelm I. genutzt.

Vermittelt wurde der Ankauf der Kleinen Hohenzollern-Kanne durch die Bremer Galerie Neuse, die sie vor drei Jahren von einem amerikanischen Privatsammler erworben hatte. Auf der Berliner Kunstmesse Ars nobilis 2004 bot Neuse das 51,5 Zentimeter hohe und 10,8 Kilo schwere Prunkstück für 490 000 Euro an.

Der Schlösserstiftung räumte die Bremer Galerie, so der Mitinhaber Volker Wurster, schließlich einen „deutlichen Rabatt“ ein. An der Finanzierung beteiligten sich außerdem die Kulturstiftung der Länder und die Ernst von Siemens Kunststiftung. Die Einrichtung der Silberkammer förderten die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Mittelbrandenburgische Sparkasse in Potsdam. So schön kann fördern sein.

Silberkammer im Schloss Oranienburg, bis 31. Oktober, Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr.

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