Kultur : Hilfsbereit

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Bernhard Schulz über den

Beistand für die flutgeschädigte Kultur

Katastrophen sind die Stunde der Exekutive. Seit Helmut Schmidt 1962 das von einer Sturmflut heimgesuchte Hamburg wieder flott machte, wird diese politische Weisheit in der Bundesrepublik stets wiederholt. Julian Nida-Rümelin macht sie sich dieser Tage zu eigen. Der Kulturstaatsminister besucht die hochwassergeschädigten Kultureinrichtungen, zeigt sich erschüttert über das Ausmaß der Zerstörungen und beziffert die Höhe der Soforthilfe. Er hat das Ganze im Blick, sieht nicht nur Dresden, das als „Elbflorenz“ die bei weitem stärkste emotionale Anteilnahme in ganz Deutschland genießt, sondern bezieht die kleinen, oft sehr viel heftiger in Mitleidenschaft gezogenen Einrichtungen in den kleineren Gemeinden mit ein.

Den Philosophieprofessor Nida-Rümelin sieht man nicht selbstverständlich in der Rolle des sturmerprobten Krisenmanagers. Doch ist seine bedächtige, sorgfältig wägende Art womöglich die bessere, um mit den Folgen der Flut umzugehen. Die Gefahr, dass die bekanntesten Einrichtungen das Gros der Hilfe abschöpfen, liegt nahe. Dresden ist eben immer im Blick der medialen Öffentlichkeit, Pirna schon weit weniger, Weesenstein allenfalls, weil es so pittoresk im (verhängnisvoll) engen Tal gelegen ist. Die kleinen Orte kennt man nicht, noch weniger die existenzielle Not, die sie nach der Zerstörung ihrer Stadtbibliothek oder ihres Heimatmuseums leiden. Gerade darum ist es wichtig und richtig, bei allem unbürokratischen Schwung, den die (Wahl-)Bürger jetzt von ihren Politikern erwarten, nicht nur auf die sichtbarsten Schadensopfer zu zielen. Was für Semperoper oder die „Alten Meister“ finanziell ein Klacks sein mag, kann für ein kleines Haus in der Provinz das Überleben bedeuten – und, auf mittlere Frist, das Weiterleben einer ins Herz getroffenen Kommune.

Nebenbei bedeutet das Auftreten Nida-Rümelins in Sachsen einen weiteren Schritt auf dem Weg zur vollgültigen Bundeskulturpolitik. Denn in der Not zeigt sich, wer helfen kann: Es ist, und keine noch so föderal gestimmte Landesregierung würde es dieser Tage bestreiten, der Bund. Dazu verliert Nida-Rümelin keine Silbe. Aber nach dem 22. September wird davon noch die Rede sein.

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