Kultur : Hilmar Hoffmann nennt die Liste der bedrohten Einrichtungen "lediglich vorläufig"

KPL

Nachdem am Dienstag eine Liste mit Vorschlägen des Präsdiums des Goethe-Instituts zur Schließung von Auslandsniederlassungen bekannt wurde (Tsp. vom 8. 9.), traf Hilmar Hoffmann, Präsident des Goethe-Instituts, gestern in Berlin mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen, um die Schließung von 18 Instituten zu besprechen. Das Präsidium des Goethe-Instituts habe sich im Vorgriff auf das Sparpaket von Finanzminister Eichel, das auch die auswärtige Kulturpolitik betrifft, entscheiden müssen, welche Institute entbehrlich seien, erklärte Hoffmann am Rande einer kulturpolitischen Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung gegenüber dem Tagesspiegel.

Überrascht und enttäuscht äußerten sich dagegen die Leiter der von der Schließung bedrohten Goethe-Institute in Atlanta, Vancouver, Los Angeles, Lille, Charnia und Genua auf Nachfrage dieser Zeitung. Dabei stellte sich heraus, dass die betroffenen Einrichtungen von der Zentrale nicht informiert worden waren.

Maria Woodleff, Leiterin des Goethe-Instituts in Atlanta, das als eines von vier Einrichtungen in den USA geschlossen werden soll, hatte fest damit gerechnet, dass ihrem Institut die Schließung erspart bliebe. Einen "Schildbürgerstreich" nannte sie das Vorhaben: "Wir bedienen hier denn gesamten Süd-Osten der USA, eine Region größer als Deutschland selbst. Es gibt hier eine rege Nachfrage nach deutscher Kultur, besonders nachdem BMW, Mercedes und Siemens große Produktionsanlagen eröffnet haben. Außerdem mussten wir unsere Sprachkurse schon vor einiger Zeit privatisieren." In Atlanta würden fünf Arbeitsplätze verloren gehen. In Genua, wo man schon länger von den Plänen aus München weiß, zeigt man sich zuversichtlich. "Es kann nicht sein, dass es in dieser alten Kulturstadt kein Goethe-Institut mehr gibt", so die Pressesprecherin des Instituts, Jaqueline Tschiesche. Deshalb haben sich Künstler, Politiker und Intellektuelle einem Aufruf gegen die Schließung angeschlossen. Genuas Vize-Bürgermeister reiste gestern aus diesem Anlass zu Gesprächen nach Berlin. Auch in Los Angeles glaubt man nicht an eine Schließung im nächsten Jahr. Claudia Volkmar-Clark, Leiterin des Instituts, hofft auf das Verständnis von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der das letzte Wort in der Angelegenheit habe. Es gebe gute Gründe von einer Schließung in Los Angeles abzusehen. Immerhin lebe hier die größte jüdische Gemeinde außerhalb New Yorks und Israels und die beiden besten Universitäten der USA lägen in der Nähe.

Die Rechnung der Institutsleiterin könnte aufgehen. Selbst Hilmar Hoffmann hofft darauf, dass Bundeskanzler und Parlament zu dem Schluss kommen, dass die Schließungen "außenpolitisch nicht zu vertreten sind" und deshalb die Entscheidung des Finanzministers revidiert werde. Die vorgelegte Liste sei deshalb "lediglich vorläufig".

0 Kommentare

Neuester Kommentar