Kultur : Himmelsmann und Erdenfrau

Historische japanische Roll-Bilder in Berlin

Jens Hinrichsen

Manchmal ist nur das Wasser viel zu tief, wie in der Ballade vom Königskinder-Pärchen. „Himmelsprinz und Bürgerstochter“ in einer traditionellen japanischen Erzählung kommen aus anderweitig elementaren Gründen nicht zueinander: Er ist am Firmament zu Hause, sie dem Irdischen verhaftet. So bleibt das Paar durch die Milchstraße getrennt, die auf einer Bild-Querrolle aus dem 15. Jahrhundert wie ein trennender Fluss aus einer zerbrochenen Melone fließt. Das Bildermärchen gehört neben den (auch) amourösen Abenteuern des Prinzen Genji – auf zwei Wandschirmen – zu den wertvollsten Sammlungsstücken im Dahlemer Museum für Asiatische Kunst, die nun mit Alltagsszenen weiterer Paare japanischer Malerei zu einem fünf Jahrhunderte umspannenden Reigen verknüpft werden. Harazaisei Togukawa malte ein spielendes Kinderpaar, das sich über ein Keramikbecken beugt – das Mädchen lässt ein Spielzeugboot schaukeln, der Junge will einen Goldfisch fangen. Die Kurtisane auf einer weiteren herrlich gemalten Bildrolle des 18. Jahrhunderts lauscht amüsiert den Liebesschwüren eines Briefschreibers, ihre Dienerin trägt ihr die Zeilen vor. Herrin und Zofe: auch das ein Paarmotiv. Ein ungleiches Paar dominiert auch das Himmelsprinz-Märchen, denn die liebeskranke Bürgerstochter wird vor allem von einem krebsroten, faltigen, gehörnten Dämon zu Mutproben verführt, muss es mit Giftschlangen und wilden Stieren aufnehmen – und darf, Teufel auch, dann doch nicht zum Liebsten. Jens Hinrichsen

Museum für Asiatische Kunst, bis

7. Oktober, Di-Fr 10-18, Sa-So 11-18 Uhr.

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