Kultur : Himmelsstürmer

Abseits der Marktplätze: Berliner Galeristen investieren in ihre Stadt

Katrin Wittneven

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht: Seit Mitte der Neunzigerjahre hat sich die Berliner Galerienszene vom beschaulichen Umschlagplatz zum expandierenden Zentrum für zeitgenössische Kunst entwickelt. Mit den Galeristen kamen die Künstler, darunter einige der wichtigsten ihrer Generation. In Berlin wird heute jene Kunst produziert, die auf Messen in Basel oder Miami Höchstpreise erzielt. Dass die Berliner Museen und Kunstvereine dieser Entwicklung hinterherhinken, wollen die 21 führenden Galerien nicht weiter beklagen, sondern stattdessen selbst ein Zeichen setzen. Jede der beteiligten Galerien – darunter Arndt & Partner, Barbara Weiss, Crone, C/O Atle Gerhardsen, Johnen, Barbara Wien und Nordenhake – hat eine gehörige Summe Geld investiert, um auswärtige Sammler zu einem Kunst-Weekend mit gemeinsamen Ausstellungseröffnungen einzuladen. Das Angebot richtet sich aber auch an Berliner Kunstinteressierte. Am heutigen Sonnabend chauffiert ein Shuttleservice die Besucher zwischen den Schauplätzen hin und her. Zudem haben die beteiligten Galerien auch am Sonntag geöffnet (heute und morgen von 11 bis 18 Uhr).

Die Ausstellungen – einige Empfehlungen stehen auf dieser Seite – spiegeln dabei das Spektrum der Galerien wider: Berinson zeigt Fotografien von László Moholy-Nagy, Thomas Schulte und Kicken richten Dieter Appelt anlässlich seines 70. Geburtstags eine Doppelausstellung ein, neugerriemschneider präsentiert mit „Work-Station“ benutzbare Skulpturen von Jorge Pardo. Andere setzen auf den Nachwuchs, wie Barbara Thumm mit Fotoarbeiten und Aquarellen von Martin Dammann und Giti Nourbakhsch mit Objekten und Gemälden von Anselm Reyle.

„Wir wollen für Berlin begeistern“, sagt Galerist Max Hetzler, der zu den Initiatoren des Kunstwochenendes gehört. Gerade weil die Kunstmessen in ihrer Anzahl und Bedeutung als Marktplatz für Kunst und Information zugenommen haben, sei es an der Zeit, die Arbeit der Galeristen vor Ort in den Fokus zu rücken, meint Hetzler.

Längst sind die Messen gesellschaftliche Top-Ereignisse geworden, die nicht nur mit Kunst, sondern ebenso mit aufwändigen Begleitprogrammen die High Society anziehen. Angesichts des internationalen Booms der Gegenwartskunst, deren Umsatz 2004 um ein knappes Drittel auf fünf Milliarden Dollar gewachsen ist, erscheint die Kunst für viele vor allem als Ware mit enormen Wertsteigerungen und zusätzlichem Spaßfaktor. Das Galerienwochenende will für die Stadt und ihre Künstler werben – ohne Event scheint selbst das nicht mehr zu gehen.

Weitere Informationen im Internet unter www.6.-8.5.2005berlin.de

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