Hinkelstein-Fund : Archäologische Sensation in der Bretagne

Wenige Kilometer vom weltberühmten Hinkelstein-Ort Carnac entfernt haben Ausgrabungen etwa 50 außergewöhnlich gut erhaltene Menhire zu Tage gefördert.

Belz - Die tonnenschweren Zeugen aus grauer gallischer Vorzeit werden Kerdruelland bei Belz zu einer Pilgerstätte machen. Für Experten sind sie eine Fundgrube; sie erhoffen sich zahlreiche neue Erkenntnisse.

Wissenschaftler erläutern, was die Menhire von Belz einzigartig macht: Die Hinkelsteine wurden nämlich vor etwa 7.000 Jahren aufgestellt und dann aus noch unbekannten Gründen etwa drei Jahrtausende später umgestürzt. So ruhten sie gut 4000 Jahre lang in einer Sedimentschicht, welche sie vor Wind und Wetter schützte und zugleich wertvolle Hinweise auf ihre Geschichte speicherte. Nur einige der Brocken wurden im Mittelalter als eine Art Hinkelsteinbruch missbraucht. In anderen Orten wie Carnac sind teils viel mehr Steine erhalten geblieben, doch ihre ursprüngliche Umgebung ist seit langem verschwunden.

"Zum ersten Mal ist es möglich, moderne, feine Ausgrabungen mit dem originalen Boden vorzunehmen», jubelt der Präsident des französischen Instituts für präventive archäologische Forschungen (Inrap), Jean-Paul Demoule, über die «außergewöhnliche Entdeckung». Die Arbeiten auf dem etwa 3.000 Quadratmeter großen Grabungsfeld sind laut Inrap eine «Premiere in Frankreich». Eigentlich sollte in Kerdruelland Bauland erschlossen werden, ein teures Gut in der bei Urlaubern beliebten Region. Doch angesichts der unschätzbaren Funde wurde die Stätte umgehend unter Denkmalschutz gestellt.

20 Tonnen schwere Kolosse

In detektivischer Kleinarbeit können die Forscher nun Aufschlüsse erhalten. Sie hoffen beispielsweise auf Hinweise über über Umwelteinflüsse und auf dar Handeln des Menschen, die die Menhire erst mühevoll aufrichteten, um sie schließlich dem Erdboden gleichzumachen. Die bis zu zwei Meter langen Felsbrocken von Belz zeugen von einer organisierten Gesellschaft in der Steinzeit, wie Demoule betont: Um einen 20 Tonnen schweren Menhir zu bewegen, mussten mindestens 150 Menschen Hand anlegen.

Vor allem legten die Archäologen aber auch kleinere Steine frei, die als Stütze für die großen Menhire dienten. So könnten die heutigen Menschen in Belz «die Organisation der Steine zum Zeitpunkt ihrer Aufrichtung nachvollziehen», schwärmt Inrap-Forschungsleiter Stéphane Hinguant. «Der Plan des Denkmals ist exakt.» Andernorts seien Hinkelsteine dagegen «dort aufgestellt worden, wo man dachte, dass sie einst gestanden hatten - vielleicht zu Unrecht.»

Offene Fragen

Damit ist in Belz zwar die Frage nach dem «Wie» beantwortet, doch für Hinguant birgt der mystische Ort weiter die Frage nach dem «Warum, der Symbolik dieser Stätte». Warum etwa wurde eine Seite eines der Menhire schon in der Steinzeit mit einem Hammer bearbeitet? Handelte es sich um eine Stele? Und waren die Menhire gar farbig angemalt?

Christine Boujot von der Wissenschaftseinrichtung CNRS fragt sich zudem, wieso drei Viertel der Hinkelsteine in derselben Richtung umgestürzt wurden, nämlich in einer Achse Nordwest-Südwest, und zwar so, dass sie quasi auf dem Bauch lagen. Bei den großen Steinen «kann man Hypothesen aufstellen, sie prüfen und schließlich hoffen, sie zu bestätigen oder zu verwerfen», räumt Hinguant bescheiden ein. «Doch sie behalten die meisten ihrer Geheimnisse für sich.» (tso/AFP)

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