Kultur : Hinter Gittern

Zur Festnahme des Musikmäzens Alberto Vilar

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Wie nicht anders zu erwarten, wird die überraschende Festnahme des Kunstmäzens und Investors Alberto Vilar in New York keine direkten Auswirkungen auf den Kulturbetrieb in Deutschland und Österreich haben. So erklärten die Salzburger Festspiele am Montag, dass „im Budget für das Programm 2005 oder 2006“ keinerlei Beiträge von Vilar eingesetzt seien. Außerdem habe man sich bereits seit 2002, als die finanziellen Schwierigkeiten des gebürtigen Kubaners ruchbar wurden, nach anderen Sponsoren umgesehen. So verpflichtete sich Donald Kahn, spontan für Vilar einzuspringen und mit 4,3 Millionen Euro den Bau des Hauses für Mozart zu unterstützen. Nach amerikanischen Zeitungsberichten haben Vilars Fonds zwischen 2000 und 2002 mehr als 90 Prozent ihres Werts eingebüßt.

Auch für die Wiener Staatsoper und das BadenBadener Festspielhaus werden keine Auswirkungen erwartet, die sich gleichfalls umorientiert hatten. Der 64 Jahre alte Vilar war am Donnerstag in New York verhaftet worden. Er steht unter dem Verdacht, einen Klienten um fünf Millionen US-Dollar betrogen zu haben. Von dieser Summe sollen wiederum 177000 Dollar an die American Academy in Berlin geflossen sein, in deren Vorstand Vilar sitzt und bei der er mit vier Millionen Dollar für diverse Musikstipendien im Wort ist. 540000 Dollar gingen an das Washington und Jefferson College in Pennsylvania, außerdem habe Vilar eine Party ausgerichtet und die Reparatur eines Geschirrspülers bezahlt. Fahnder beschlagnahmten in den Räumlichkeiten von Vilars Firma Amerindo Investment Advisors mehrere hundert Kisten voller Akten. Die Kaution wurde auf zehn Millionen Dollar festgesetzt. Da Vilar trotz eines geschätzten Restvermögens von 950 Millionen Dollar derzeit lediglich über 10000 Dollar Bargeld verfügt, muss er bis heute in Haft bleiben.

Vilar hat nach früheren Angaben insgesamt mehr als 225 Millionen Dollar (rund 254 Millionen Euro) weltweit für Oper, Ballett und Orchester gespendet, darunter auch für die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele und die New Yorker Metropolitan Opera. Tsp

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