Kultur : Hip in Zebra

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über das filmische Revival eines BluesHeros

Als Eivind Aarse ts Debüt-CD „Electronique Noir“ Ende der Neunziger erschien, schwärmte die „New York Times“ von „einem der besten Post-Miles-Davis-Alben“. Der 1961 geborene Gitarrist ist ein gefragter Studiomusiker und wirkte schon an sehr unterschiedlichen Aufnahmen mit, darunter Ray Charles’ „Strong Love Affair“ und Ute Lempers „Espace Indecent“. Aarset, der aus dem Umkreis von Nils Petter Molvaer kommt und maßgeblich dessen düsteren Band-Sound prägte, verbindet die Beats der aktuellen Clubkultur mit so genanntem Nu Jazz, wie man ihn aus Oslo und Paris kennt. Am 12. Mai spielt der Gitarrist im Tränenpa last . Eine Woche zuvor ist das Mastermind der aktuellen norwegischen Szene, der Keyboarder Bugge Wessel toft , in der Stadt. Seine neue CD heißt „Film’ing“, weil er während der Konzerte seine eigenen Hände oder die anderer Musiker mit einer Videokamera filmt. Während der Saxofonist Joshua Redman bei zwei Stücken auf der neuen CD dabei ist, gibt es Wesseltofts „Film’ing“ live am Sonnabend im Palais (20 Uhr).

Apropos Film. Während es in der 19-stündigen Filmserie „Jazz“ des amerikanischen Dokumentarfilmers Ken Burns um die Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Rassismus geht, handelt Martin Scorseses siebenteilige Bluesserie vom Erinnerten, von einer untergehenden Kultur. Scorsese beauftragte verschiedene Regisseure, darunter Wim Wenders und Clint Eastwood, ihre Blues-Leidenschaft in einen Film zu übersetzen. Jetzt kommt der erste dieser Bluesfilme in die deutschen Kinos.

Wenders erhielt entscheidenden Input von einem anderen Film, auf den er bei der Suche nach Originaldokumenten über den Gitarristen und Sänger J. B. Lenoir stieß, einen der drei afroamerikanischen Blues-Heros in seinem Film. Fündig wurde er bei einem freakigen Ehepaar in den amerikanischen Südstaaten, das vor vierzig Jahren zwei kurze Filme mit Lenoir für das schwedische Fernsehen gedreht hatte, um ihm Auftritte in Skandinavien zu verschaffen. Der erste Film wurde abgelehnt, weil er in Farbe war, das schwedische Fernsehen aber nur schwarzweiß sendete. Auch der zweite lief nie, weil er für zu unprofessionell befunden wurde: In einer einzigen Einstellung sieht man den Bluesmusiker neben dem schwedisch übersetzenden Ehepaar auf einem Sofa sitzen. So lagen die beiden Streifen jahrzehntelang im Regal, bis das Bluesteam sie aufspürte und ungeschnitten in „Soul Of A Man“ integrierte. Man sieht Lenoir darin nicht nur in seinem hippen Zebramantel, sondern bekommt auch eine Ahnung davon, mit welcher Begeisterung der schwarze Blues von weißen Fans damals gefeiert wurde. Nach einer ersten Präsentation von „Soul Of A Man“ auf der Berlinale , hat der Film nun seinen Berlin-Start am Donnerstag im „Filmtheater am Friedrichshain“ , bei dem auch Wenders anwesend sein wird (18 Uhr).

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