Kultur : HipHop: Lachsalve

Ulf Lippitz

Die Leute wollen, dass etwas passiert. Fünf Sterne Deluxe haben das in ihrem Hit richtig erkannt. Trotzdem lässt sich die Hamburger Band lange bitten. Deejay Punk Roc mischt unterdessen Big Beat. Lauwarm. Wie ein Musikunterhalter auf der Jugendweihe. Eine irritierte Columbiahalle pfeift: Hamburger Rap-Schule bitte! Die kommt und lacht. Über Minuten hinweg. Der Erfindung des Lachsacks sei gedankt. Dann fällt der Blick auf das für Rapper typische Umfeld: die Kneipe um die Ecke. Hinter der Bar werkelt ein Typ, an der Bar hocken drei andere, die Rücken zum Publikum. Stillleben an der Reeperbahn oder die Ruhe vor dem Sturm? Mit einsetzendem Beat springen sie auf, Gesichter zum Publikum, Mikros in den Händen. "Die alten Männer sind zurück", rappen sie. Energie schwappt durch die Halle. Die Flutlichter richten sich auf die Zuschauer. Grellweiße Blitze. Autsch! Licht essen Sehvermögen auf. Der süßliche Geruch von Freisein liegt in der Luft. Das Quartett dichtet: "Verdammt viel gesoffen, verdammt viel geraucht." Dazwischen schleppen sich Beats aus der Schlafzimmer-Abteilung, ertönen Sirenen, rauschen Autos durch die Boxen und wummern Bässe wie beim Corsa an der Ampel. Humorvoll bleibt es auch. Nach dem Lachsack kommt Lachgas zum Einsatz: Teletubbie-Rap zwischen Dada und Blümchen. Die Band verlässt kurz die Bühne, um zwei Minuten später verkleidet zurückzukehren. Rapper Tobi mimt einen Franzosen mit angeklebten Baguettes auf dem Rücken. Sieht wie ein billiges "Star Wars"-Kostüm aus. Dazu ein unterirdischer Comic-Rap um Weltretter, Geheimagenten et cetera. Kindermüll. Zu viel gewollt, zu viel passiert.

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