Hiramatsu Reiji : Monet und der Teichgraf

Als Meister der Seerosenmalerei gilt Monet. Der Japaner Hiramatsu Reiji hat sich von einem Besuch in Giverny inspirieren lassen und zeigt seine Seerosenbilder im Museum für Asiatische Kunst in Dahlem.

Jens Hinrichsen
Schwimmende Schönheit. „Divertissement“ von Hiramatsu Reiji.
Schwimmende Schönheit. „Divertissement“ von Hiramatsu Reiji.Foto: SMB

Als Standort der Berlin Biennale zeigt der Dahlemer Museumskomplex in diesem Jahr besonders viel Gegenwartskunst. Ebenfalls zeitgenössisch – wenn auch nicht auf den ersten Blick – sind die Werke des japanischen Malers Hiramatsu Reiji, die aus den Jahren 2010 bis 2013 stammen. Die Sonderschau „Seerosenbilder – Hommage à Monet“ findet anlässlich der 20-jährigen Städtepartnerschaft zwischen Tokio und Berlin statt. Das Museum für Asiatische Kunst präsentiert 15 Bilder des 1941 in Tokio geborenen Malers, eines Vertreters der sogenannten Nihonga. Der Begriff lässt sich mit „japanische Malerei“ übersetzen und wurde 1890 gemeinsam von dem US-amerikanischen Orientalisten Ernest Fenollosa und dem japanischen Kunsthistoriker Okakura Kakuzo eingeführt. Nihonga bezeichnet eine im Kern traditionelle japanische Malerei, die sich aber – in einer Zeit des Umbruchs und des einstigen Großmachtstrebens Japans – in gewissen Grenzen erneuert hatte. „Die Maltechnik“, erklärt Hiramatsu Reiji, „unterscheidet sich recht stark von der westlichen. Es mangelt an Perspektive, an Licht und Schatten, dafür gibt es eine große Freiheit der Komposition und es finden sich markante Konturen, die ein Motiv akzentuieren. Diese traditionellen Ausdrucksformen sind charakteristisch für japanische Kunst.“

Lauter Seerosen sind auf Hiramatsus Gemälden in der Museumsausstellung zu sehen. Inspiriert sind sie von den berühmten Teichbildern, die Claude Monet (1840–1926) in seinen letzten drei Lebensjahrzehnten immer wieder malte. Ein Besuch des Japaners in Monets Anwesen in Giverny im Jahr 1995, dem weitere Reisen folgten, gab den ersten Anstoß zu dem Zyklus. Höhepunkte der ausgestellten Werke sind zwei Stellschirme, die die üppige Vegetation des Gartens in der Haute-Normandie gleichsam ins Cinemascope-Format strecken. Beide Werke wurden vom Musée des Impressionnismes in Giverny im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben und sind nun erstmals öffentlich zu sehen.

Verglichen mit Monets Landschaftsbildern lässt Hiramatsu immer wieder Schlichtheit und Strenge walten. Durchgehend wird ein besonderes Empfinden für das Verrinnen der Zeit spürbar, ein zentrales Thema in der traditionellen Lyrik und der visuellen Kultur Japans: Kirschen blühen, Blütenblätter fallen sanft zu Boden, Libellen, Schmetterlinge und Frösche tummeln sich auf den Bildern. Herbstlaub, Regenschauer oder Schneetreiben verleihen dem jeweiligen Bild eine besondere jahreszeitliche Farbe.

Museum für Asiatische Kunst Dahlem, bis 31. August, Di-Fr 10-17, Fr-So 11-18 Uhr

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