Kultur : Hiroshi Sakagami

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Ich sitze am liebsten an einem bestimmten Tisch, zu allen Jahreszeiten. Er ist ein Andenken an den jungen Schriftsteller Masao Yamakawa, der mich zu Beginn meiner schriftstellerischen Laufbahn mit Zuneigung überhäuft und zum Schreiben angetrieben hat. Er ist mit vierunddreißig Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Da der Tisch schmal ist, schreibe ich auf 200-Zeichen-Manuskriptpapier. In meinem sechs Tatami großen Arbeitszimmer, in dem der Tisch steht, häufen sich Bücher, Zeitschriften, Materialien, irgendwelches zufällig angesammelte Zeug und Dinge, die ich von Reisen mitgebracht habe. Wie die Überreste meines Bewusstseins.

Seit kurzem höre ich, bevor ich mit Schreiben anfange, Musik von Tôru Takemitsu. Seine Werke sind jetzt in einer CD-Gesamtausgabe erschienen. Auch Takemitsu hat mich, so wie Yamakawa, in jungen Jahren geleitet. Sein Arbeitsplatz war gerade mal ein Streifen rund um das Klavier. „Enge ist gut für uns“, sagte er oft. „Am liebsten würde ich im Wandschrank eine Kerze anzünden und dort arbeiten“, fügte er scherzhaft hinzu. Wehmütig denke ich zurück an seinen Wunsch nach Enge. Symbolisch gesehen entfaltet sich die Seele umso besser, je enger der Raum ist. Aus dem Meer des Unbewussten.

Hiroshi Sakagami, 1936 in Tokio geboren, hat formale Logik studiert und ein umfangreiches Romanwerk vorgelegt, in dem sich die rasante Modernisierung Japans spiegelt. (7.9., 18 Uhr, Mori-Ôgai-Gedenkstätte; 8.9., 21.15 Uhr, Foyer im HdBF)

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