HIT Parade : Black Eyed Peas

Diese Woche auf Platz 4 mit: „Boom Boom Pow“

Ralph GeisenhanslükeD

Der Name ist irreführend. Die Erbsen sind eigentlich Bohnen. Die Black Eyed Peas, zu Deutsch: Augenbohnen, sind eine Unterart der Kuhbohnen. Ursprünglich in Afrika beheimatet, sind sie heute in allen warmen Regionen der Erde verbreitet und dürfen zum Beispiel beim Soul Food in den Südstaaten der USA nicht fehlen. Und für manche Leute sind auch die unkaputtbar positiv gestimmten Songs der Black Eyed Peas wie Lebensmittel. Auf das Konto von Will.i.am, Kopf der Band aus Los Angeles, geht unter anderem der „Yes We Can“-Song“ für Barack Obama. Außerdem hat er als Produzent Künstlern wie Sérgio Mendes oder den Pussycat Dolls zu ausgiebiger Chartpräsenz verholfen und als Tierschützer Fast-Food-Ketten attackiert.

Auf dem neuen Album der Black Eyed Peas, das Anfang Juni erscheint, geht es hingegen nicht ganz so sanft zu. Das verspricht schon der erste Song „Boom Boom Pow“, dessen Text zwar aus pazifistischer Sicht okay ist, dessen Video aber mit allerhand ballistischen Metaphern wie Handgranaten oder Atompilzen daherkommt. Doch meinen Will und die Seinen damit wohl nur die Sprengkraft ihres Beats, mit dem sie sich fühlen „wie im Jahr 3008“. Denn: „We got the beat, that 808“. Seine futuristische Anmutung verdankt der Song ausgerechnet einem Instrument, das viele schon im Museum wähnen: der guten alten Rhythmusmaschine TR-808 von Roland. Deren Stärken werden hier mit ultratiefen Bass-Drum-Sounds und crispen Hand-Claps voll ausgespielt.

Es gibt Hymnen auf Gitarren wie die Fender Stratocaster oder die Gibson Les Paul, es gibt legendäre Synthies wie den Korg MS 10, doch die „Transistor Rhythm“ 808 harrt noch ihrer Würdigung. 1980 auf den Markt gekommen, hat sie mit ihren fetten analogen Sounds die elektronische Klangproduktion nachhaltig verändert. Einen ihrer ersten Einsätze hatte sie in Marvin Gayes „Sexual Healing“. Aber erst in Hip-Hop, House und Techno kam sie richtig zur Geltung. Die 808 klang eben nicht wie ein nachgemachtes Schlagzeug, sondern definitiv nach Maschine. Lange bevor Depeche Mode auf die Idee kamen, alte Synthesizer zu sammeln, wurden für die 808 schon Summen weit über dem ursprünglichen Ladenpreis von 1000 Dollar gezahlt. Heute gibt es sie auch als Software-Version, doch so richtig schön „Boom Boom Pow“ macht sie eben nur im Original. Ralph Geisenhanslüke

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