HIT Parade : Black Eyed Peas

Heute zum letzten Mal: Platz 35 mit „The E.N.D.“

Ralph Geisenhanslüke

Dieser Text könnte beginnen wie „The End“ von den Doors. Leise Gitarrenakkorde, Jim Morrison schüttelt erst die Haare, dann das Tamburin und singt: „This ist the end, beautiful friend.” Dann könnte dieser Text langsam hinübergleiten in jenen von den Doors musikalisch nachvollzogenen Zersetzungsprozess, wie geschaffen, um die Bilder von „Apocalypse Now“ zu untermalen. Aber das sind Echos aus einer anderen Zeit. Heute denken wir positiv. Und es gilt die Definition der Black Eyed Peas. Vierzig Jahre nach den Doors entschlüsseln sie „The E.N.D.“ mit: „The Energy Never Dies“.

Kaum ein Künstler steht so repräsentativ für die Entwicklung der Popmusik wie will.i.am, der Kopf der Black Eyed Peas. Der 32-jährige, äußerst geschäftstüchtige Kalifornier hat neben seiner eigenen Band dutzende Künstler wie Santana, Justin Timberlake oder Ricky Martin produziert. Er komponierte Barack Obamas „Yes we can“-Song, er arbeitete mit Hans Zimmer an Hollywood-Soundtracks, spielte selbst kleinere Rollen, hat seine eigene Modelinie undsoweiter. Und manchmal muss er eben delegieren. Das aktuelle Album seiner Band hat will.i.am vom derzeit angesagten Dancefloor- Guru David Guetta mit einem etwas lieblosen, endkomprimierten Elektro-Sound ausstatten lassen, der die Black-Music- Wurzeln weitgehend ignoriert. Den Erfolg schmälert es nicht. Will.i.am ist der Popstar der Zukunft, multitaskingfähig, clever, trotzdem politisch korrekt. Sein Akku scheint niemals leer zu sein.

Diese Kolumne aber endet hier. Seit der ersten Folge, vor acht Jahren, wurde immer ein Platz für sie frei gehalten, um die großen und kleinen Lichter des Musikgeschäfts leuchten zu lassen und einen Blick auf die schnelllebigen Phänomene des Zeitgeschehens zu werfen. War schön bunt, das alles. Und bleibt es auch. Wo eine Tür sich schließt, öffnen sich zwei neue. Mit der Klinke in der Hand grüßt: Ralph Geisenhanslüke

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