HIT Parade : Britney Spears

Diese Woche auf Platz 47 mit: „Gimme More“

Kai Müller

Zur Stunde ist noch nicht ausgemacht, welches Modell erfolgreicher ist. Ob es mehr bringt, wie der libanesischstämmige Rapper Massiv auf offener Straße von jemandem angeschossen zu werden, der selbst aus nächster Nähe nicht richtig trifft. Oder ob es geschickter ist, sich wie Lothar Matthäus ins Kreuzfeuer zu begeben und für einen Trainerposten zu empfehlen, nachdem der bereits anderweitig vergeben ist. Vermutlich toppt Britney Spears mal wieder alles. Bei ihrem jüngsten Zusammenbruch ließ sie einen Brief auf dem Klo liegen (wer bitte, darf da eigentlich alles rein?), in dem der Satz steht: „Vielleicht ist es besser, wenn ich tot bin.“

Damit ist die Eigendynamik narzisstischer Selbstinszenierungen zu Ende gedacht. In „Gimme More“, Spears aktueller Single, besingt sie sich als gestresstes Mediengeschöpfs, das erst ganz bei sich ist, wenn es macht, was alle anderen von ihm verlangen. „Ich habe mich einfach nicht unter Kontrolle“, stöhnt sie in dem stahlhart bouncenden, düsteren Song. „Oh, sie wollen mehr, na gut, dann gebe ich ihnen mehr.“ Auf welche Konsequenzen diese Borderline-Mentalität zusteuert, dafür liefert „Britney Bitch“ (Spears über Spears“) jede Woche neues Anschauungsmaterial. Zuletzt war eine Hundertschaft von Polizisten nötig, um die beiden Söhne vom Anwesen des Stars herunterzuholen und die nervlich zerrüttete Frau in eine Klinik zu bringen. Scheidungen können hässlich sein. Aber der Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann, dem Background-Tänzer Kevin Federline, liefert der von Zwangshandlungen, Depressionen gebeutelten 28-Jährigen die einzige Bühne, die sie noch hat – als Märtyrerin. So warnte Sinéad O’Connor: „Jemanden als Mutter anzugreifen, ist sehr gefährlich. Es bringt eine junge Frau, die innerhalb von zwei Jahren zwei Kinder bekam, an einen steilen Abgrund.“ Einmal hat sich Britney Spears bereits in eine Badewanne gelegt, um zu sterben. Das war für ein Video. Es hieß: „Everytime“. Jederzeit. Kai Müller

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