HIT Parade : Bushido

Diese Woche auf Platz 78 mit: „Alles Gute kommt von unten“

Ralph Geisenhanslüke

Schein und Sein sind im Medienzirkus von jeher schwer zu unterscheiden. Derzeit sind es Selbstzerstörer, die zuverlässig Publicity generieren. Sie verkörpern die Angst vor dem Absturz, die mittlerweile jeder kennt angesichts des rigiden Effizienzdrucks und der aus den Fugen geratenen Beschleunigung der Verhältnisse. Ihr permanentes Lebensrisiko erscheint als tragisches Heldentum. Doch was sind Koks, Crack und Heroin im Vergleich zur „geilsten Droge von allen“, wie Bushido es kürzlich nannte. Er meinte natürlich: Geld. Bushido, der ebenso wie Amy Winehouse heute für einen „Echo“ nominiert ist, sprach damit eine fundamentale Wahrheit des Popgeschäfts gelassen aus. Auch der Titel seiner Single ist eine solche: Von unten kommen oder nach unten stürzen – das ist der zeitlose Kern aller großen Legenden. Bushidos Musik gilt vielen als Soundtrack einer verrohenden Gesellschaft. Nun will ihr Protagonist die „langweilige Welt des HipHop“ verlassen. Musikalisch und finanziell. Er ist jetzt oben, macht neuerdings auch in Immobilien, wohnt in Dahlem und sagt: „Geld ist das Einzige, was mich weitermachen lässt“. Dass es „abhängig macht“, hat Bushido bereits erkannt. Aber eines noch nicht: Geld benebelt nicht nur, am Ende ist es auch eine Wahrheitsdroge. Ralph Geisenhanslüke

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