HIT Parade : Gnarls Barkley

Diese Woche auf Platz 95 mit: „The Odd Couple“

Ralph Geisenhanslüke

Sie sind schon ein sonderbares Paar, der lange Dünne und der kleine Dicke. Gestatten, DJ Danger Mouse, 30, geboren als Brian Burton in White Plains, New York, und Sänger Cee-Lo Green, bürgerlich: Thomas DeCarlo Callaway, 34, aus Atlanta, Georgia. Der eine ist ein cooler Soundschrauber und Hip-Hop-Produzent, der andere ist dem Sound des „dirty south“ verpflichtet und hat eine Soulstimme zum Niederknien. Sie allerdings nur für Komiker zu halten, hieße, sie zu unterschätzen. Danger Mouse etwa produzierte das Album „Demon Days“ von den Gorillaz und Cee-Lo unter anderem die Pussycat Dolls. Außerdem stand er als Gast bei Outkast, Santana oder den Black Eyed Peas am Mikrofon. Erstklassige Referenzen.

Nun muss den beiden klar geworden sein, dass es im Popgeschäft mal wieder Zeit für eine ordentliche Dosis Wahnsinn war. Sie nannten sich Gnarls Barkley, ein Dada-Name, der in ihren Augen einfach einen „fiktiven Star“ repräsentieren sollte. Ihr erstes Video inszenierten sie wie einen Rohrschachtest, jenen Psychotest, beim dem die Probanden Bilder in beliebige Tintenkleckse hineininterpretieren. Der Star ist, was du ihn ihm sehen willst. Gnarls Barkleys erste Veröffentlichung, der Song „Crazy“, schrieb im Jahr 2006 schon Geschichte, ehe die Platte auf dem Markt war: als erstes Stück, das allein aufgrund von Download-Verkäufen auf Platz eins der britischen Charts einstieg. Neun Wochen lang blieb es dort allein in Großbritannien. Monatelang schallte Cee-Los hoher Falsettgesang um den Globus. Zwischenzeitlich gaben die Künstler bekannt, sie nähmen die Platte mal vom Markt, damit das Publikum sich nicht überhöre. Vielleicht ein durchsichtiger Publicity-Gag; aber durchaus auch als Hinweis darauf zu verstehen, dass sie noch mehr irrwitzig gute Songs hatten. Die produzieren sie auch weiterhin.

Doch beim Zweitling von Gnarls Barkley wird deutlich, wie schnell es mit dem Ruhm auch wieder vorbei sein kann. „The Odd Couple“ ist ein ebenbürtiger Nachfolger, fällt aber kommerziell gnadenlos durch. In Großbritannien nicht einmal in den Top 40, in Deutschland nach drei Wochen schon fast wieder raus aus den Charts. Dabei steckt das Album voller Preziosen, die ihre Liebhaber finden werden – bei allen Musik-Wahnsinnigen, denen der schnelle Hype egal ist. Ralph Geisenhanslüke

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