HIT Parade : Nelly Furtado

Dieses Jahr auf Platz eins mit: „Loose“

Ralph Geisenhanslüke

Die erfolgreichste Musikerin in den deutschen Charts des Jahres 2007 heißt Nelly Furtado. Fünf Mal Platin für ihr Album „Loose“, außerdem sieben Singles in den Top 40 – das schaffte selbst „Deutschlands Bester“ Herbert Grönemeyer nicht. Die 29-jährige Kanadierin mit portugiesischen Wurzeln und ihr Produzent Timbaland haben offenbar eine alchemistische Erfolgsformel entdeckt: Songs, von denen praktisch nichts hängen bleibt, die sich aber irre verkaufen. Auf Furtados früheren Alben spielten das Kronos Quartet und Caetano Veloso, es erklang ein ungewöhnlicher Reichtum an Instrumentalstimmen wie Banjo, Mandoline, Tablas, Harmonium. Das war natürlich kompliziert. Timbaland, der allgegenwärtige und alles nivellierende Produzent, hat Nelly Furtados Sound-Design in Richtung Fließband-R’n’B geplättet.

Tröstlich immerhin: Bei Nelly Furtado geht es wenigstens noch um Musik. Sie tritt nüchtern und vollständig bekleidet an die Öffentlichkeit, sie ist mit ihrem Tontechniker zusammen. Die Filmkarriere steht in den Startlöchern. Eine toughe Karrierefrau – im Gegensatz zu all den Queens of Chaos, oder den nicht mehr besonders würzigen Mädchen, die nicht wahrhaben wollen, dass die Party vorbei ist. 2007 war das Jahr der Frauen in der Popmusik. Dafür stehen auch Norah Jones (Platz 5) oder Pink (7), die ebenso hart arbeiten. Im Allgemeinen aber fehlt eine Richtlinienkompetenz wie die von Madonna. Hoffnung darauf kommt derzeit nur von ganz unten: Carla Bruni belegt Platz 99 – aber sie singt im Élysée-Palast. Ralph Geisenhanslüke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben