HIT Parade : Nightwish

Diese Woche auf Platz 5 mit: „Dark Passion Play“

Ralph Geisenhanslüke

Der Ursprung des Begriffes Heavy Metal verliert sich in den Nebeln der Vergangenheit. Steppenwolf erwähnten 1968 in „Born To Be Wild“ erstmals „Heavy Metal Thunder“. Ein Jahr später nannten Iron Butterfly ihr erstes Album „Heavy“. Musikalisch sprach man damals noch von Hard Rock. Der allerdings wurde im Lauf der siebziger Jahre immer härter und verlangte nach entsprechender semantischer Verschärfung. Etwas, so eine der vielen Herleitungen, das eben härter war als ein „harter Stein“. Normalbürger nahmen das schon damals meist nur als Hairy Metal war. Eine Flut von Föhnwellen- und Minipli-Metal-Bands. Doch da ging es erst richtig los. Ein bis heute nicht abgeschlossener Prozess der Diversifizierung setzte ein. Speed-Metal, Thrash-Metal, Black-Metal – sobald etwas anders klang, wurde ein Sub-Genre dafür erfunden. Oftmals, um sich abzugrenzen.

Wo Gitarren allein nicht schwer genug wiegen, muss ein Orchester her. Vertreter des „Symphonic Metal“ sind beseelt von jenem Drang zu Höherem, der schon Deep Purple 1969 zur ihrem nicht gerade götterdämmernden „Concerto For Group and Orchestra“ verleitete. Symphonisch darf man auch schlicht übersetzen mit: Bombast. Allerdings können sich nur wenige ein Orchester leisten.

Nightwish kann. Die finnische Band engagierte nicht nur das London Symphony Orchestra, sie lässt die Welt auch wissen, dass sie die 500 000 Euro für die Aufnahmen ihres neuen Albums komplett aus eigener Tasche vorgelegt habe. Vielleicht etwas neureich, aber nicht schlecht für eine Band aus Kitee, einer kleinen Stadt im Osten Finnlands, die überwiegend von Holzverarbeitung lebt. Kein Wunder auch, dass die prätentiösen Texte sich um Fabelwesen und diverse mythische Parallelwelten drehen. Das Video zur Single „Amaranth“ etwa erzählt eine Geschichte von einem Mann und seinem Sohn, die beim Angeln einen gefallenen Engel entdecken. Sie nehmen ihn mit nach Hause. Ein wütender Mob setzt das Haus in Brand. Der Engel erwacht und entkommt. Ein Provinzszenario. Auch als Hörer ist man froh, wenn der Spuk vorbei ist.

Doch sind Nightwish keine Klamauktruppe wie die Leningrad Cowboys oder wie Lordi, jene Außerirdischen, die im letzten Jahr den Eurovision Song Contest gewannen. Bandleader Tuomas Holopainen hat die Sibelius-Akademie in Helsinki besucht. Deren Studenten wohnt ein besonderes Kunststreben inne. Apocalyptica etwa, die Heavy-Metal-Stücke für Violoncello bearbeiten.

Nightwish haben sich zu Halbgöttern im Metal-Universum entwickelt. Es gibt Briefmarken und auch ein Bier mit ihrem Namen. Vor einiger Zeit suchte die Band eine neue Sängerin. Aus 2000 Bewerbern wurde ausgerechnet eine Schwedin ausgewählt, Annette Olzon. Immerhin hat sie wie ihre Vorgängerin eine klassische Ausbildung. Ralph Geisenhanslüke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben