HIT Parade : Snoop Dogg

Diese Woche auf Platz 74 mit: „Ego Trippi“

Ralph Geisenhanslüke

Das hätte Mama wohl nicht gedacht. Ihr Sohn spielte noch brav Klavier in der Kirchengemeinde in Long Beach , als sie ihm seinen Spitznamen verpasste; nach dem Hund aus seiner Lieblings-Comicserie. Doch schon kurz nach der Grundschule, so will es die Legende, begann der Kleine mit Koks zu dealen. Heute ist Calvin Broadus jr. 36 Jahre alt und seine Geschäfte sind alles andere als Peanuts.

Snoop Dogg ist eine globale Marke. Unter seinem Namen wird nicht nur Gangster-Rap verkauft. Er tritt als Werbeträger für so ziemlich alles in Erscheinung: Bier, Kaugummi, Hot Dogs, Mobiltelefone. Seine eigene Produktpalette umfasst ein Cadillac Sondermodell „Snoop DeVille“, einen Elektrogrill „Snoop De Grille“ und Actionfiguren nach seinem Ebenbild. Als wäre dieser „Snoopermarket“ nicht bunt genug, drängte es ihn ins Filmgeschäft. Neben einigen Hollywood-Rollen, produzierte er diverse Unterleibsfilme („Diary Of A Pimp“), in denen er seinen Klunker-besetzten Spazierstock schwang. Derzeit läuft, als vorerst letzte Stufe des Ausverkaufs, im US-Fernsehen die Reality-Soap „Snoop Doggs Fatherhood“.

Das neunte Album soll nun endlich ein „Egotrip“ sein. Keine Produzenten-Überväter wie Dr. Dre an den Reglern, sondern Snoops ganz eigenes Snoopiversum. Er sampelt Marvin Gaye und Mike Oldfield, covert Prince, spielt sogar einen Country-Song. Keine Frage, da will einer raus aus der Hip-Hop-Ecke. Doch selbst die Single „Sexual Eruption“ sorgt für wenig Erregung. Dafür enthalten die 21 Tracks – und hier schließt sich der Kreis zum pornografischen Werk – einfach zu viel Füllmaterial. Ralph Geisenhanslüke

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