HIT Parade : Stefanie Heinzmann

Diese Woche auf Platz 13 mit: „Masterplan“

Ralph Geisenhanslüke

Das fragwürdige Ansehen der CastingShows scheint sich zu wandeln. Auch etablierte Stars wissen deren Einschaltquoten zu schätzen und nutzen sie immer häufiger als Werbeplattform. Diese Woche erlebt Neil Diamond den vollen Nachbrenneffekt seines Auftritts bei „American Idol“, einem von 35 internationalen Ablegern des britischen Ur-Formats „Pop Idol“. Durchschnittlich 31 Millionen Zuschauer hat die Show in den USA. Diamond sang zwar schon als kleiner Junge im Schulchor mit Barbra Streisand, aber ein Nummer-eins-Album war ihm in den vier Jahrzehnten seiner Karriere noch nicht gelungen. 146 000 Mal wurde sein neues Album „Home Before Dark“ verkauft. Im größten Musikmarkt genügt das mittlerweile für Platz eins. In den USA nennt man Stückzahlen, bei uns werden sie schamhaft verschwiegen. Deshalb ist schwer einzuschätzen, wie viele Singles oder Downloads von Mark Medlocks „Summer Love“ weggingen. Immerhin hat der DSDS-Gewinner vom letzten Jahr damit Madonna von Platz eins der deutschen Single-Charts verdrängt.

All das sind noch keine Anzeichen nachhaltigen Wirtschaftens, aber es lässt hoffen für Stefanie Heinzmann. Schüchtern und etwas ungelenk wirkt sie mit ihrer Brille, dem Lippen-Piercing und den schwarz lackierten Fingernägeln. Wie ein Teenie von nebenan. Bei allen Vorbehalten gegen die berechenbar an den derzeitigen Neo-Soul-Trend angelehnten Durchschnittsnummern der 19-jährigen Schweizerin wäre ihr doch zu wünschen, dass da mehr zurückbleibt als eine Notiz in den vermischten Meldungen, wie bei den Klaws, Kesicis und Küblböcks vor ihr.

Stefanie Heinzmann hat im Januar gewonnen bei „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ („Stefan sucht den Superstar, der singen soll was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf“). Die ist ein Gegenentwurf des Moderators Stefan Raab, mit dem er der marktbeherrschenden Stellung der DSDS-Verwertungskette RTL-Bohlen-BMG etwas entgegenzusetzen versuchte. Und zwar: mehr Freiheit. Stefanie Heinzmanns Album erschien Anfang März. Es sei „schon schwer gewesen, in der kurzen Zeit“. Sie habe „eigentlich keine Ahnung gehabt, wie das abläuft“. Aber ein routiniertes Produzententeam hatte offenbar schon den „Masterplan“ in der Schublade. Für Stefanie Heinzmann, deren Gesangstalent zuvor nur im Kanton Wallis aufgefallen war, beginnt mit ihrer heute startenden ersten Live-Tournee eine Phase der Wahrheit. Im Video zu ihrer Single „Like A Bullett“ besingt sie einen jungen Mann, der mit Frischhaltefolie gefesselt ist. Außen Top-Hits. Und drinnen? Ralph Geisenhanslüke

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