HIT Parade : Terenzi

Diese Woche auf Platz 27 mit: „Billy Jean“

Ralph Geisenhanslüke

Marc Terenzi freut sich über den 27. Platz in den Single-Charts. Auch wenn die Verkaufszahlen eher im dreistelligen Bereich liegen dürften, hat der Sängerdarsteller dennoch allen Grund dazu. Seit er vor vier Jahren die Sängerin Sarah Connor heiratete, ist Terenzi dem deutschen Publikum hauptsächlich als Trash-Promi bekannt, also jemand, der annähernd alles mitmacht, um im Gespräch zu bleiben. So hat das Ehepaar nun bereits die zweite sogenannte Doku-Soap absolviert, ein TV-Format, bei dem der Aspekt „Dokumentation“ allerdings mit Anführungszeichen zu sehen ist. Es erweckt auch bei arglosen Menschen den Eindruck, durchgängig kalkuliert zu sein. Ob der Zuschauer Gülcan Kamps beobachtet, wenn sie sich die Nägel lackiert, Brigitte Nielsen unterm Messer liegt oder Sarah Connor Dessous einkauft: Prominenz und Körbchengröße liegen meist in den Bereichen C oder D – und die emotionale Temperatur irgendwo zwischen Supernanny und Schuldenberater. Man weiß nicht, wen man bei diesen traurigen Inszenierungen mehr bemitleiden soll: die Zuschauer, die glauben, mit den Akteuren eine Art parasoziale Beziehung einzugehen, oder die Akteure selbst, deren zwanghafter Exhibitionsdrang ihnen auch das letzte bisschen Würde nimmt.

Trash-Promis sind die Unterschicht der Mediengesellschaft. Marc Terenzis Selbsteinschätzung erscheint also realistisch. Denn was der 30-jährige Amerikaner, der im Fernsehen häufig von seiner Frau zusammengestaucht wird, da singt, das ist eigentlich wurscht. Mit „Billie Jean“ von Michael Jackson, das er hier als pathetische Power-Pop-Ballade interpretiert, hat er immerhin ein Stück mit Wiedererkennungswert gewählt. Doch hier geht es nicht um Musik, es geht um die Kampagne. Die aktuelle Promotionwelle, in deren Verlauf Boulevard-Medien über seine kriselnde Ehe und Affären mit Ausdruckstänzerinnen spekulieren, zielt wohl auf die Veröffentlichung der beiden neuen Alben des Ehepaars. Dagegen wirken „Die Osbournes“ wie ein philosophisches Seminar. Wenn die letzte Brust aufgepumpt und das letzte Fett abgesogen ist, können Figuren wie Terenzi ihren Zuschauern wohl nur einen Trost bieten: dass das Leben dieser vermeintlich Prominenten ebenso so langweilig ist wie das ihrer Zuschauer.

Ralph Geisenhanslüke

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