HIT Parade : The BossHoss

Diese Woche auf Platz acht mit: „Stallion Battalion“

Ralph Geisenhanslüke

Ihre Geschichte klingt irrealer als alle Superstar-Seifen-Geschichten: Ein paar Jungs spielen auf einer Party einige Songs, ein anwesender Musikmanager verpflichtet sie vom Fleck weg, ihre Platten werden vergoldet, sie werden reich und berühmt und wenn sie nicht gestorben sind… . The BossHoss wirken derzeit noch sehr lebendig. Kein Wunder, denn die Geschichte ist wahr und der Erfolg scheint ihnen bislang gut zu bekommen.

Gerade drei Jahre ist es her, dass Alec Völkel und Sascha Vollmer den Cowboy in sich entdeckten. Die beiden waren damals im Brotberuf Grafikdesigner und trafen sich nicht im Kuhstall, sondern „beim Mausschieben in der Agentur“, die sich klischeegerecht in Prenzlauer Berg befand, heute ein Biomöhrenbrei-Reservat, aber damals noch ein Ort, wo die wilden Kerle wohnten. Völkel und Vollmer hatten eine Idee, die nicht ganz neu war: Sie entführten Songs aus den verschiedensten Stilrichtungen und spielten sie im Country-Stil. Das haben schon viele vor ihnen getan, besonders in Berlin, aber nicht mit solch durchschlagendem Erfolg wie die Prenzlauer Hillbillies.

Hip-Hop-Stücke von Eminem, Outkast oder Snoop Dogg, aber auch The White Stripes oder Britney Spears bekommen von The BossHoss musikalisch den Stetson aufgesetzt. Dazu kultivieren die Cover-Cowboys sämtliche Klischees bis hin zum breiten Südstaatenslang. Eine amüsante Travestie, für die niemand Musikwissenschaft studieren muss, immer gut für eine Sause. Schließlich hat diese Art der Gegen-den-Strich-Cover-Version ihre Wurzeln im Punk. „Satisfaction“ von Devo oder „My Way“ von den Sex Pistols zum Beispiel lösten schon vor 30 Jahren schaurige Freude aus. Ob man das Original nun mag oder nicht – dem fröhlichen Zerlegen hört jeder gern zu.

Doch gibt es einen Abnutzungseffekt. Wer nicht nur als Karnevalskapelle gelten will, sollte mehr draufhaben, als Feinrippunterhemden zu tragen. The BossHoss haben das bemerkt und versuchen, ihr Profil zu schärfen. Zehn der 14 neuen Stücke sind Eigenkompositionen. Und um es rundheraus zu sagen: nicht auf alle hat die Welt gewartet. Aber „Stallion Battalion“ und „Monkey Business“ gehen durchaus in Ordnung. Sie werden nicht bis in alle Ewigkeit über die Prärie donnern, doch ein Anfang ist gemacht. Cowboys wissen: Ein gutes Pferd springt nicht höher, als es muss. Ralph Geisenhanslüke

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