Kultur : Hitchcocks Schatten

Der amerikanische Krimiautor Henry Slesar starb am 2. April im Alter von 74 Jahren in New York. Der im Stadtteil Brooklyn geborene Slesar hinterlässt ein umfangreiches Werk: über 500 Kurzgeschichten, sechs Romane, fünfundfünzig Hörspiele und mehr als einhundert Drehbücher, etliche davon für die Fernsehserie "Alfred Hitchcock presents", die auch in Deutschland ausgestrahlt wurde. In den achtziger Jahren produzierte der WDR auf der Grundlage von Slesars Kurzgeschichten eine eigene Fernsehserie: "Die Krimistunde".

Slesar ist mit seinem intelligenten, humorvollen Stil und präzise kalkulierten Zuspitzungen berühmt geworden, die gerade in seinen kurzen Texte wirken. Häufig tappen die Verbrecher genau mit jener Tat in die Falle, mit der sie sich zu retten glauben. Zudem bevölkern zwiespältige Autoritätspersonen seine literarische Welt: In der frühen Kurzgeschichte "Der Tag der Hinrichtung" missbraucht der Staatsanwalt Warren Selvey seine Machtfülle für persönliche Zwecke. In dem Roman "Hinter der Tür" von 1974 treibt ein Psychotherapeut seine Patientin, eine steinreiche Waise, in den Wahnsinn. Mit der Zwielichtigkeit solcher Figuren drückte Slesar wohl auch ein persönliches Misstrauen gegenüber der Autorität des Schriftstellers aus.

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