Hitlos im Huxley's : Counting Crows enttäuschen in Berlin

Die Counting Crows spielten ein Konzert im Huxley’s und viele die Fans schienen nur eins zu wollen: "Mr. Jones", den Megahit. Doch das verwehrte ihnen die Band aus Kalifornien.

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Adam Duritz, Frontman der Counting Crows.
Adam Duritz, Frontman der Counting Crows.Foto: Imago

Es gibt gute Gründe, warum Bands Lieder nicht mehr spielen. Pearl Jam zum Beispiel winken ab, wenn im Publikum jemand „Jeremy“ verlangt. Im Sommer 2000 sind während ihres Auftritts beim Roskilde-Festival neun Menschen gestorben, seither spielt die Band das Lied nur noch zu ausgewählten Anlässen. Und Coldplay-Sänger Chris Martin durfte „Green Eyes“ nicht mehr singen, weil seine Frau, Gwyneth Paltrow, nun mal blaue Augen hat und not amused war über das alte Liebeslied. Ob er jetzt wieder...?

Sei’s drum, es sind Gründe, die Fans verstehen, mit denen sie sich als echte Experten profilieren können. Solche Gründe allerdings sind bei den Counting Crows nicht bekannt. Und so gingen die 1600 Gäste im ausverkauften Huxley’s am Mittwochabend ziemlich verstört nach Hause, weil man ihnen „Mr. Jones“ verwehrt hatte.

„Wir müssen los, wir müssen noch nach München“, sagte Adam Duritz, kreativer Kopf der Kalifornier, ein pummeliger Rasta-Mann mit Jesus-T-Shirt und Hang zur Melancholie in Stimme und Leben. Als ob diese 4:32 Minuten nun, um kurz vor 23 Uhr hier in Neukölln noch einen Unterschied machen würden. Die Band hatte zwei Stunden ihren typischen Country-Folk-Rock gespielt, liebevoll arrangiert von Banjo bis Mandoline und gut ausgesteuert, auch wenn’s mal knallt. Die sieben Musiker haben sich sogar die Mühe gemacht, ein Klavier mitzubringen. Was für ein Aufwand! Und trotzdem ruft nach 22.20 Uhr die erste: „Play ,Mr. Jones‘!“

Natürlich kann es nerven, wenn der erste Hit gleich der größte ist und schon 20 Jahre her. Vor allem, wenn er die Zeile enthält „When everybody loves me/ You can never be lonely“ – und man sich danach drei Jahre lang versteckt, weil man nicht damit klar kommt, dass alle einen lieben. Jugendlicher Leichtsinn, vielleicht, damals. Unprofessionalität, heute! Es war offensichtlich als Statement gedacht: Wir brauchen dieses Lied nicht, es ist die Tour zum neuen Album „Somewhere Under Wonderland“ – und die war schnell ausverkauft. Pustekuchen, Mr. Duritz, so läuft das nicht. Was sollen denn die Stones sagen? Wobei es bei denen weniger auffällt, wenn einer der Hits nicht dabei ist.

Als nach der vierten Zugabe „California Dreaming“ aus den Lautsprechern plärrt, versuchen einige zu grölen: „Mr. Jones and me / Tell each other fairy tales." Doch es ist zu spät. „Kommt alle im Sommer wieder“, hatte Adam Duritz noch gerufen. Och, eher nicht.

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