Kultur : Hitparade: Diese Woche auf Platz 3

Ralph Geisenhanslüke

Mag die Quotenkurve von "TV total" auch nach unten zeigen - Stefan Raab ist allzeit high. Sein erstes Studio richtete sich der Metzgersohn aus Köln-Sülz in der Wurstküche des elterlichen Betriebs ein. Mittlerweile hat er als Grinsemann und Kirmesboxer Karriere gemacht. Nebenbei gilt Raab als hochtalentierter Ukulelist und Hit-Fabrikant, der es versteht, am öffentlichen Mainstream anzudocken - und ihn teilweise ("Maschendrahtzaun") sogar mit zu prägen. Doch seine Songs haben immer noch diesen diskreten Charme des Wurstigen.

"Wir kiffen!" klingt wie ein Schnellschuss. Ein vorsätzlich lieblos hingematschter Mid-Tempo-Beat, über den Raab eine streng im Paarreim gehaltene Büttenrede bröselt und dabei ein paar Prominenten exzessiven Cannabis-Konsum andichtet. ("Dieter Thomas Heck hat stets ne Tüte im Gepäck", "In Berlin Klaus Wowereit ist nicht nur schwul, sondern auch breit".) Er kann sicher sein: Über so was lachen die Leute da draußen im Lande. Spätestens nach der zwölften Tüte.

Gestreckt wurde der Stoff schließlich auf 16:44 Minuten. Den Fitness-Test zur Aufnahme in das moldawische Olympia-Team hätte Raab bei solchen Freizeitgewohnheiten wohl nie bestanden. Trösten dürfte ihn allerdings, dass sein Song sogar Afromans "Because I Got High" hinter sich ließ - den zweiten Kiffer-Song in den Top 10. Was sagt diese Konstellation über die Sitten in unserem Land? Zwei Dinge: Die Einfuhr von Frustschutzmitteln scheint den Deutschen in diesem Winter besonders am Herzen zu liegen. Und: Das wird eine friedliche Weihnachtszeit.

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