Kultur : Hitparade: Diese Woche auf Platz 31

Sassan Niasseri

Da kullerten dicke Tränen über die Wangen: Mayte, beliebtestes Mitglied der Kelly Family, ist bei der Vorausscheidung zum Grand Prix nur Vierte geworden. Viele Zuschauer hatten sie ausgebuht und laut gelacht. Ihren Brüdern Paddy und Angelo blieb dabeinichts anderes übrig, als sich die Hand vor den Mund zu halten - sonst hätten auch sie gelacht. Früher, als die Jungs noch klein waren, galten nämlich sie als die Lieblinge der Pop-Familie. Dann kam die Pubertät und entstellte die Bubengesichter der zwei, die mitansehen mussten, wie ihre Schwester die Aufmerksamkeit auf sich zog. Was für eine Genugtuung! "Ich will doch nur geliebt werden" - Maytes Song war ein verzweifelter Appell, aber wirkungslos. Längst sind die ständig sich vermehrenden Kellys keine heile Großfamilie mehr: Sohn Joey fiel durch Pöbeleien auf. Auch der greise Vater Kelly, rechtsseitig gelähmt und bettlägrig, ist nicht mehr im Bilde darüber, was seine Kinder eigentlich machen - früher liess er sich noch im Krankenbett auf die Bühne ziehen. Angelo ist und bleibt sein Liebling. Mayte trifft das besonders hart. Sie hatte viel für den alten Herrn und dessen Hippie-Imperium getan, hatte die Umzüge der vagabundierenden Hausboot-Familie organisiert und den kauzigen Patriarchen gepflegt. Mit ihrem Grand-Prix-Song wollte sich Mayte nun von dessen Schatten befreien. Doch auch im Kelly-Clan herrscht ein dynastisches Gesetz: Töchter gehören nicht auf die Bühne. Töchter gehören Daddy.

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