HITPARADE : Diese Woche auf Platz 32 Puhdys „Undercover“

Ralph Geisenhanslüke

„Es ist keine Ente, wir rocken bis zur Rockerrente.“ Wo Reime gewürgt werden, da sind die Puhdys nicht weit. Und die Sponsoren auch nicht. Dieter „Maschine“ Birr und seine Jungs haben die Brauerei gewechselt, jetzt auch noch einen Energieversorger („EWE – Partner der Puhdys“ ) und einen Autohersteller im Programm. Ihr Name ist Synonym für DDR-Rock schlechthin – für West- Ohren immer die Höchststrafe. Alt wie ein Baum sind sie mittlerweile selbst, aber noch immer wollen sie ihren Drachen steigen lassen. Für „Undercover“ haben die Puhdys Stücke anderer Monsters Of Ostrock gecovert und in ihren sämigen, hymnischen Sound überführt, der noch immer blubbert wie Mitropa-Bratensoße. Die Puhdys, soviel steht fest, machen weiter bis man sie von der Bühne trägt. Hier zum Beispiel mit einem Potpourri aus zehn Ost-Songs in acht Minuten. Mögen auch aus Waschbrett- längst Waschmaschinen-Bäuche geworden sein – das Tempo ist beachtlich.

Der CD ist ein Heftchen mit einem „Geheimbericht“ beigefügt. Extra schwer lesbar gesetzt. Die Schrift erinnert mit ihren Schreibmaschinenlettern an Stasi-Akten. Dort wird erklärt, was mit dem „nicht zumutbaren Laufpensum“ von Karats „Sieben Brücken“ wirklich gemeint war. Schon zu Honnis Zeiten legten es sie es darauf an, dass in ihre verdrucksten Texte hineingeheimnist wurde, was nicht offen auszusprechen war. Das Ergebnis: der gleiche Spießermief, wie der offizielle. Von sich selbst behaupten die Puhdys, satirisch, aber eben irgendwie doch wahr: „Die Gruppe ... erhielt die größtmögliche Unterstützung von unseren staatlichen Organen... Zu ihren Konzerten wurden immer wieder Tausende Zuschauer delegiert.“

Aber seien wir nicht gehässig. Die DDR hatte auch ihre guten Seiten, zum Beispiel, dass man dort lange Zeit sicher vor Udo Lindenberg war.

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