Kultur : Hitparade: Diese Woche auf Platz 45: Diana Krall mit "The Look of Love"

Ralph Geisenhanslüke

Zwei Wege, ein Ziel: der Jazz. Während Robbie Williams (weiterhin auf Platz eins) sich musikpädagogisch darum verdient macht, die Fans aus seiner Boy-Group-Zeit langsam an Musik für Erwachsene heranzuführen, geht die Sängerin Diana Krall den umgekehrten Weg - und legt immer mehr Glamour auf. Manchmal könnte sie glatt als Schwester von Britney Spears durchgehen. Trotzdem denkt die 36-jährige Kanadierin aber nicht daran, das "Ooops"-Geräusch zu machen. Sie hat eine Berklee-Ausbildung, und die Arrangements für ihren zart schmelzenden Candle-Light-Jazz schrieb der Arrangeur Claus Ogerman, legendär durch seine Aufnahmen mit Sinatra, Barbra Streisand und Antonio Carlos Jobim. Weltweit wurden von "The Look of Love" (Platz 45 bei Media Control, Platz 1 der Jazz-Charts) bislang zwei Millionen Stück verkauft.

Solche Platten hören vorzugsweise gebildete ältere Herren. Die haben meist gute Stereo-Anlagen. Umso peinlicher war es, dass die gesamte deutsche Erstauflage - 20 000 Stück - eingestampft werden musste: Beim Mastering hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Das ganze Album klang, als hätten Sängerin und Orchester nicht in der Abbey Road und den Capitol Studios gestanden - sondern irgendwo hinterm Vorhang. Bemerkt wurde der Müll-Sound erst, als die CDs schon im Handel waren.

Die Plattenfirma wählte den offensiven Weg und startete eine Rückrufaktion. Lo-Fi gegen Hi-Fi. Der Umtausch, heißt es bei Universal Music, sei eine ganz neue Erfahrung gewesen: Viele Kunden schrieben rührende Briefe, andere kamen persönlich vorbei. Unter alten Knochen schlagen oft noch junge Herzen.

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