Kultur : Hitparade: Enrique Iglesias mit "Hero"

Sassan Niasseri

In unsicheren Zeiten, werden alte Fragen wieder aktuell: Wann ist ein Mann ein Held? Wenn er wie der Schauspieler Mickey Rourke vor Testosteron strotzend für einen eher unverkrampften Umgang mit Gewalt plädiert? Ein Gedanke, der Enrique Iglesias (Foto: AP) nicht mehr los ließ. Deshalb verschaffte er Rourke, den die Filmindustrie längst hat fallen lassen, eine Rolle in seinem "Hero"-Video. Darin ist Iglesias so versessen auf eine Konfrontation mit seinem Kindheitshelden, dass er sich gar von ihm umbringen lässt. Während Hollywood sich seiner satt gesehen hat, darf der alternde Finsterling als Pop-Ikone wieder auferstehen. Auch Schauspielerkollege Robert Downey jr., der immer wieder wegen seiner Heroinsucht in Misskredit fiel, so dass bald keine Film-Versicherung mehr für ihn aufkommen wollte, erlebt auf diese Weise ein spätes Comeback: als Held - zumindest für Elton John. In dessen Video "I Want Love" ist der Ex-Junkie ganz die verwirrte Seele, als die er berühmt wurde. Auf der Suche nach Geborgenheit durchwandert Downey jr., scheuer denn je, einen menschenverlassenen Palast: "A man like me is dead in places other men feel liberated". Merke: Held ist, wer sich treu bleibt, selbst dann, wenn ihn deshalb keiner mehr ausstehen kann.

Streng genommen aber sind Männer doch eigentlich nur Helden, wenn sie Menschenleben retten. So wie der norwegische Frachterkapitän Arne Rinnan: Den haben die Vereinten Nationen jetzt mit dem Nansen-Preis für Menschlichkeit ausgezeichnet, weil er im letzten Jahr 433 Bootsflüchtlinge von einem indonesischen Schiff befreit hatte und sich dabei mit den australischen Einwanderungsbehörden anlegte. Rourke hat noch niemandem das Leben gerettet. In den Augen seines Softpop-Freundes ist er dennoch ein ganzer Kerl. Denn ein Mann, das hatte Casanova-Sohn Iglesias nicht nur von Rourke, sondern auch von seinem Vater gelernt, muss nicht lieben, damit er unsterblich wird. Er muss ein zäher Bursche sein und die Kälte des Todes muss in ihm sein, damit ihm dieser nichts anhaben kann. Es ist die Kälte des Pop. Man nennt sie Verehrung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben