Kultur : Hitparade: Pink Floyd: "Echoes"

Ralph Geisenhanslüke

Was haben wir Ihnen nicht alles zu verdanken. LP-Seiten-lange Stücke, endlose Engtänze, Drogenerfahrungen - und letzten Endes sogar den Punk: Hätte Johnny Rotten nicht ein T-Shirt mit der Aufschrift "I hate Pink Floyd" getragen, hätte Malcolm McLaren ihn angeblich niemals entdeckt.

Wenn es noch eines Beweises dafür bedarf, wie tief die Musik von Pink Floyd im kollektiven Gedächtnis der westlichen Welt verankert ist, dann taugt "Echoes" dazu. Keine Sensation (und durchaus nicht das erste Compilation-Album aus dem umfassend verwerteten Repertoire der Band), aber schon am ersten Verkaufstag vergoldet. Will sagen: 150 000 Einheiten waren praktisch sofort beim Endverbraucher. So selbstverständlich wie eine abonnierte Zeitung. Und das Weihnachtsgeschäft beginnt erst. Die 26 dezent ineinander gemixten Tracks laden zu Einkehr und Rückschau ein: Da kann, wie beim Adventskalender, jeder ein Türchen zu seinen Jugenderinnerungen öffnen, während leise der Spekulatius krümelt. Hachja.

Vorbei sind die Zeiten, als man Pink Floyd-Hörern einen weichen Keks unterstellte, weil aufgedunsener Progressive Rock ziemlich das Uncoolste unter der Sonne war. Längst sind die Joints aufgeraucht und die Matratzengruften gelüftet, und ist Pink Floyd inzwischen in der gesellschaftlichen Mitte angekommen. Morgen veröffentlicht zum Beispiel Wyclef Jean eine Single mit der HipHop-Version von "Wish you were here". Was das bedeuten kann, haben wir schon einmal erlebt - als der Künstler, der damals Puff Daddy hieß, einen Song von Police in seinen Sampler packte. Mit einem Wort (und Pink-Floyd-Titel): "Money".

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